Welt : Steine der Liebe

Christie’s versteigert vor Weihnachten in New York den Schmuck von Elizabeth Taylor

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Von Männern reich beschenkt. Elizabeth Taylor. Foto: imago
Von Männern reich beschenkt. Elizabeth Taylor. Foto: imagoFoto: IMAGO

„Diamonds are a girl's best friend“, singt Marilyn Monroe in der Filmkomödie „Blondinen bevorzugt“. Doch was bei dieser Unsterblichen nur Drehbuch ist, war bei einer zweiten Unsterblichen die pralle Lebenswirklichkeit: Elizabeth Taylor, geboren 1932 und 79-jährig verstorben im März 2011. „Liz“, wie die Boulevardpresse sie zudringlich nannte – „Liz kann ich nicht leiden“, bemerkte sie dazu –, baute sich im Lauf der Jahre eine Sammlung von Juwelen auf, voller Diamanten, Rubine, Smaragde, Saphire. Liz liebte sie alle – und durch Geschenke ihres zweimaligen Ehegatten Richard Burton kamen im Laufe der Jahre umfangreiche Garnituren zusammen, die den Charakter der Sammlung ausmachen. „Ich habe sie mit dem Alkohol bekannt gemacht, Liz mich mit Bulgari“, hat Burton einmal gesagt. Bulgari, damit ist das Stammgeschäft in Rom gemeint, wo 1961/62 auf dem Gelände von Cinecittà der Hauptteil der Dreharbeiten zu dem Monumentalschinken „Cleopatra“ stattfand. Die Burton-Taylor-Affäre, in diesen Jahren der Skandal schlechthin, wirkte sich jedenfalls auf den örtlichen Juwelenhandel höchst beflügelnd aus. Die Stücke, die Burton ihr nach und nach verehrte, werden heutzutage mit sechs- bis siebenstelligen Schätzpreisen bewertet.

Etliche Millionen Dollar werden erwartet, wenn die „Sammlung Elizabeth Taylor“ Mitte Dezember in gleich fünf aufeinanderfolgenden Auktionen bei Christie's in New York unter den Hammer kommt. Es entspricht dem Bild, das die Taylor von sich selbst geformt hat, dass zuallererst die Juwelen, dann die Haute Couture der Schauspielerin, dann Mode und Allerlei und schließlich Memorabilien aufgerufen werden. Kunstwerke, auch mit solchen umgab sich Liz, werden erst im kommenden Februar aufgerufen, und zwar in London. Zwar liebte es Elizabeth Taylor, sich mit Schmuck zu behängen. Zahllos sind die Fotografien, die sie mit aufgetürmten Frisuren zeigen, die mit Glitzersteinen gespickt sind, bis kein einziges Haar mehr sichtbar blieb. Doch die Stücke selbst sind ohne Fehl und Tadel. Das versteht sich von selbst bei dem ältesten Stück der Sammlung, einen auf den indischen Mogulkaiser Shah Jahan zurückgehenden und nach dessen Architektur-Verrücktheit „Taj Mahal Diamant“ genannten, von Rubinen gerahmten Edelstein an goldener Kette (1627/28, 300-500 000 $). Ihn hat Richard Burton seiner Gattin zum 40. Geburtstag verehrt. Noch älter, jedoch zeitgenössisch gefasst ist die „Pilgerin“, eine Riesenperle des 16. Jahrhunderts, die Elizabeth Taylor unter Mitwirkung eines Fachmanns von Cartier zu einem Perlen-Diamant-Rubin-Collier umgestaltet hat. Zwei bis drei Millionen Dollar sind für solche schöpferische Leistung ein angemessener Aufrufpreis. Zumal angesichts der Geschichte, dass die „Pilgerin“ einmal im Maul eines Pekinesen verschwunden war, wo sie die Taylor nach langem Suchen entdeckte, bereits vollständig verzweifelt über den Verlust des kostbaren Stücks, das ebenfalls ein Geschenk von Richard war. „Und die Perle war Gott sei Dank nicht zerkratzt!“ In New York erwarb Burton im Jahr 1968 den Star der Abendversteigerung, den „Elizabeth Taylor Diamond“ von nicht weniger als 33,19 Karat. Er wird als „im Inneren makellos“ beschrieben und soll bei zweieinhalb Millionen Dollar seinen Höhenflug beginnen. Zu Burtons Geschenken bemerkte Taylor rückschauend, Richard sei „so romantisch gewesen, dass er jede Ausrede suchte, um mir ein Stück Schmuck zu geben. Er machte mir ,Es ist Dienstag und ich liebe dich’-Geschenke. ,Heute ist ein schöner Tag’-Geschenke. ,Lass uns spazieren gehen, ich möchte dir was kaufen’-Geschenke.“

Zur Reihe der Verehrer gesellte sich in den späteren Jahren Michael Jackson. Über die seinerzeit skurril, rückblickend eher tragisch anmutende Beziehung zweier Stars, die vielleicht seelenverwandter waren, als es zu Lebzeiten den Anschein hatte, ist viel spekuliert worden. Dass Jackson ihr ein Gehänge mit Halbedelsteinen und einem Affenpärchen verehrte, unterstreicht diese Mutmaßung (60-80 000 $). Indes, Jackson konnte auch anders, er beschenkte seine platonische Freundin mit einem lupenreinen 17-Karäter-Ring (80-120 000 $) und einem Diamantarmband (30-50 000 $).

Anfang der sechziger Jahre, auf dem Höhepunkt ihrer stürmischen und von der Boulevardpresse beiderseits des Atlantik weidlich verfolgten Beziehung, kaufte der vormalige Shakespeare-Darsteller Burton bei Bulgari eine ganze Smaragd-Garnitur zusammen, Ring und Broschen und Halskette und Ohrringe und Armband, sechs Lose insgesamt, die auseinanderzureißen ein Jammer wäre. Sie ist zusammen mit einer unteren Taxe von 2,75 Millionen Dollar und einer oberen von vier Millionen angezeigt. Da muss, wenn schon nicht die Liebe, so doch die Brieftasche eines Käufers groß bemessen sein.

Doch nicht alle Erinnerungen hat die Schauspielerin in Gestalt von Juwelen bewahren können: So wurde ihr die von ihrem zweiten Ehemann Francis Todd geschenkte Diamantbrosche, die sie 1957 auf der Party zu ihrem 25. Geburtstag mit 18 000 geladenen Gästen im New Yorker Madison Square Garden trug, später schnöde in irgendeinem Hotel gestohlen. „Es geht nicht darum, etwas zu besitzen“, hat Liz Taylor einmal gesagt, „sondern darum, wie man es bekommt“. In dieser Disziplin blieb sie unerreicht.

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