Sucht : Jeder dritte Student ein Alki?

Glaubt man einer neuen Studie, so geht es vielen Studenten hundselend. Sie betrinken sich regelmäßig, leiden unter psychischen Störungen und sind einsam. Während man in den USA auf dieses Problem bereits reagiert, bleiben die Studenten hierzulande offenbar sich selbst überlassen.

Studenten im Hörsaal
Betrunken im Hörsaal: Viele Studenten haben einer Studie zufolge einen problematischen Alkoholkonsum. -Foto: ddp

Mannheim Fast jeder dritte Student hat einer Studie zufolge ein Alkoholproblem. Problematisches Trinkverhalten sei unter Studierenden an deutschen Universitäten ähnlich verbreitet, wie an US-amerikanischen Hochschulen, sagt Josef Bailer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. In den USA ist das längst bekannt. Man sei sich des Problems erheblich stärker bewusst. Für die Studie wurden 1130 Studenten der Universität Mannheim befragt.

Die Häufigkeit des Alkoholsyndroms sei mit 30,2 Prozent "alarmierend", sagt Bailer. 44 Prozent der Männer seien betroffen, bei den Frauen seien es 19 Prozent. Oft vernachlässigten die Studenten nach Trinkgelagen ihre Aufgaben bei der Arbeit, in der Universität oder in anderen Bereichen. Teilweise gingen sie betrunken oder verkatert zur Arbeit oder in die Vorlesungen. Jeder zehnte der durchschnittlich 23 Jahre alten Studenten und drei Prozent der Studentinnen gaben an, mindestens einmal betrunken Auto gefahren zu sein.

Mindestens eine psychische Störungen pro Student ist an der Tagesordnung

Der Alkoholkonsum ist der Studie zufolge unabhängig von der Fachrichtung. Mögliche Gründe für das bedenkliche Verhalten sind offenbar Prüfungsängste, Probleme mit Eltern oder Partnern und mangelnde Kontakte. Etwa jeder vierte befragte Student (23 Prozent) leidet unter mindestens einer psychischen Störung, Frauen fast doppelt so häufig wie Männer.

Studienleiter Bailer kritisierte den Mangel an spezifischen Präventions- und Interventionsprogrammen für Alkoholabhängige. "Die Befunde sind alarmierend, da sie auf einen großen psychologischen Versorgungsbedarf bei Studierenden hinweisen", heißt es in der Studie. Es sei ein Problem, dass bei psychosozialen Beratungsstellen für Studenten in aller Regel keine spezielle Suchthilfe angeboten werde. (kj/dpa)

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