Welt : Tango ohne Bandoneon? In Argentinien kaufen Sammler Instrumente auf

Prachtstück. Museumsleiter Oscar Fischer mit einem Bandoneon. Foto: AFP
Prachtstück. Museumsleiter Oscar Fischer mit einem Bandoneon. Foto: AFPFoto: AFP

Buenos Aires - Was wäre Argentinien ohne den Tango und was der Tango ohne das Bandoneon, die südamerikanische Version des Akkordeons? Wie kein anderes Instrument verkörpert die Handharmonika die Melancholie und Eleganz eines Musikstils, der die Welt erobert hat. Doch inzwischen werden die Bandoneons rar in Argentinien. Der Grund: Solvente Ausländer kaufen die Instrumente zu Sammlerzwecken auf. Und für den Import neuer Instrumente aus Europa fehlt vielen Argentiniern das Geld.

„In ein paar Jahren wird es keine Bandoneons mehr geben in unserem Land“, sagt Oscar Fischer, Leiter des Museums La Casa del Bandoneon in Buenos Aires. Auch Horacio Ferrer, Präsident der Nationalen Tango-Akademie Argentiniens, ist besorgt. „In Norwegen zeigte mir ein Arzt eine Sammlung von 35 Instrumenten, darunter viele aus Argentinien.“ Das Wind- und Tasteninstrument, eine Art tragbare Orgel, kam ursprünglich aus Deutschland nach Argentinien. Von dem Krefelder Heinrich Band aus der Konzertina entwickelt, wurde es Ende des 19. Jahrhunderts von Matrosen und Einwanderern nach Argentinien gebracht. Auch heute noch werden die Instrumente in Europa hergestellt.

„Der Mangel an Bandoneons wurde im Jahr 2000 offensichtlich, als eine neue Generation mit neuen Orchestern begann“, sagt Fischer. Die schwere Wirtschaftskrise 2001 mit dem Zusammenbruch des Peso verstärkte das Phänomen noch. „Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hatten wir 60 000 Bandoneons in Argentinien. Jetzt sind nur noch 20 000 übrig“, sagt Fischer. „Nur 2000 davon sind noch gut in Form und mit ihren Originalteilen erhalten.“ Auch ausländische Musiker reizt die Schönheit des Klangs, die der Faltenbalg hergibt. Und dank der Wechselkurse finden sie antike Instrumente in Buenos Aires günstiger als in Europa oder Japan.

Zudem kaufen Touristen alte Bandoneons als Souvenirs auf, wie Fischer erzählt. Auf Auslandstourneen mischten argentinische Musiker selbst bei dem profitablen Handel mit: „Sie nahmen einige Bandoneons mit, wenn sie nach Europa oder Japan reisten, um sie mit saftigem Profit zu verkaufen.“ Mit der zunehmenden Verknappung der Instrumente stieg auch ihr Preis, so dass sie für viele junge Argentinier unerschwinglich geworden sind. Ein neues Instrument aus Deutschland, Belgien oder Italien kostet rund 7000 Euro.

Nun arbeitet die Staatliche Universität von Lanus im Süden von Buenos Aires an einer neuen, günstigeren Version. „Wir bereiten einen Prototyp vor, den wir bald mit einem Orchester testen werden“, sagt Heraldo Roberto De Rose, Leiter der Abteilung Industriedesign. AFP

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