Welt : Tanzmariechen alaaf

Stefanie Funck hat den Kölner Karnevals-Zenit erreicht

Holger Müller-Hillebrand[Köln]

Das Jeckenfest konnte gar nicht früh genug beginnen: Unter tausenden „Alaaf“-Rufen erklärte der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma auf dem übervollen Alten Markt die „tollen Tage“ bereits um 11.10 Uhr für eröffnet - eine ganze Minute zu früh.

Mit der Weiberfastnacht hat auch für Stefanie Funck die schönste Zeit im Karneval begonnen. Die 22-Jährige ist das Tanzmariechen der Prinzen-Garde, einer traditionellen Kölner Karnevalsgesellschaft. Zum Mariechen erkoren zu werden, ist eine Ehre. Gemeinsam mit ihren Partnern, den Tanzmajoren, sind sie die Aushängeschilder der Vereine, müssen unentwegt gute Laune verbreiten und verkaufen. Geht ihr das nicht auf die Nerven? „Nein“, sagt Funck, „dafür ist mein Karnevals-Herz zu groß. Sobald der Spielmannszug spielt, sind alle Sorgen vergessen und nichts tut mehr weh.“ Funck spielt die Fröhlichkeit nicht, sie lebt sie.

Seit fünf Jahren steht sie als Solotänzerin auf den Kölner Karnevalsbühnen. Und seit dieser Session bei der Prinzen-Garde. „Damit habe ich den Karnevals-Zenit erreicht“, sagt sie. Ein höheres Ziel gibt es für sie nicht. Mariechen zu sein, bedeutet harte Arbeit. Wenn der Rosenmontagszug durch Köln zieht, liegen um die 80 Auftritte hinter Funck. Seit März vergangenen Jahres studierte sie die akrobatischen Tanzposen mit Profis ein. Im Januar begann der Tanzmarathon, eine Karnevalssitzung jagte die nächste. So wie am vergangenen Wochenende, als die 22-Jährige an drei Tagen auf 13 verschiedenen Bühnen stand. „Das war schon hart“, sagt Funck. Aber sie lächelt dabei. Denn noch schlimmer seien die ersten Aufführungen im Jahr: Die Perücke, die schweren Stiefel, die heißen Scheinwerfer, der Zigarettenqualm. „Nach drei Auftritten steckt man die Belastung dann locker in die Tasche“, meint Funck.

Und unter der Woche muss sie nur jeden zweiten oder dritten Tag raus. Das lässt sich dann auch mit ihrem Beruf in der Versicherungsbranche vereinbaren. Ihre Leidenschaft für die fünfte Jahreszeit hat sie schon früh entdeckt. Schon mit acht Jahren wollte Stefanie Funck zur Prinzen-Garde, damals noch der in ihrer Heimatstadt Bergisch-Gladbach. Über klassischen Ballettunterricht und kleine Karnevalsvereine wuchs sie in die Mariechen-Rolle hinein. Rational kann sie niemandem erklären, warum sie all das auf sich nimmt ohne einen Cent zu kassieren.

Pannen hat Funck in dieser Session kaum erlebt. Nur in Düsseldorf passierte ihr ein Missgeschick. In Düsseldorf, ausgerechnet. Die Landeshauptstadt gilt noch immer als Rivalin Kölns, nicht nur im Karneval buhlen beide Städte darum, besser und lustiger zu sein als die andere. Funck stürzte hier von der Bühne. Außer ein paar Prellungen kam das Mariechen unverletzt davon, doch seitdem hat sie noch weniger Verlangen, in Düsseldorf zu feiern.

Für die meisten Jecken ist nach Aschermittwoch „alles vorbei“, für Stefanie Funck nicht. Am Sonntag danach beginnt ihr Tanz-Training für die neue Session, muss sie neue Figuren einstudieren. Rosenmontag kommt am 23. Februar 2004. Fünf Jahre will die 22-Jährige noch auf der Bühne stehen. „Für mich hat ein Mariechen mit 27 Jahren das Ende erreicht. Unter die blonden Locken gehört einfach eine junge Frau“, sagt sie.

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