Welt : Tragisches Ende einer Wette

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Vor dem Unfall. Samuel Koch springt auf Stelzen über einen fahrenden Pkw. Foto: dpa
Vor dem Unfall. Samuel Koch springt auf Stelzen über einen fahrenden Pkw. Foto: dpaFoto: dpa

Den Salto über den heranrollenden Smart hatte er problemlos geschafft, den über den Mini musste er abbrechen. Beim dritten Wagen war Samuel Koch, erster Wettkandidat in Thomas Gottschalks ZDF-Sendung „Wetten, dass...?“, wieder erfolgreich, setzte nun alles auf den vierten Versuch, einen Audi, in dem zudem sein Vater saß. Die Zuschauer im Fernsehen sahen ihn auf seinen Sprungstelzen erst Anlauf nehmen, blickten dann dank einer im Wageninneren montierten Kamera auf den heransprintenden Kandidaten – und mussten wie die Zuschauer in Düsseldorf miterleben, wie die junge Mann beim Landen strauchelte, hinschlug, mit dem Kopf auf den Boden knallte und bewegungslos liegenblieb. Minutenlang zeigt die Kamera nur die sichtlich schockierten Zuschauer, oder vorbeieilende Sanitäter, hörten nur aus dem Off, wie Gottschalk versuchte, seine Fassung wiederzugewinnen, oder wie eine Frauenstimme dringend nach einer Decke und mehr Licht verlangte.

Samuel Koch werde es schaffen, hatten Komiker Otto und Sara Nuru, seine Filmpartnerin aus „Otto’s Eleven“, zuvor gewettet. Er wolle mittels Sprungstelzen heranrollende, immer größere Autos mit einem Salto überspringen, hatte Koch angekündigt – „eine gefährliche Wette“, wie Gottschalk zugab, als sich die Kamera dann doch wieder auf ihn gerichtet hatte. Bei den Proben habe es immer geklappt. Die Sprungfedern, so hatte der Kandidat zuvor noch erläutert, gehörten zu einer neuen Trendsportart. Anfangs war völlig unklar, wie schwer er sich verletzt hatte. „Ich kann jetzt nicht so weitermoderieren, als wäre nichts passiert“, sagte Gottschalk. Man müsse erst wissen, ob es Koch gut gehe, bevor man fortfahren könne.

Das ZDF unterbrach danach die Sendung und strahlte statt dessen Musikvideos aus. Nach einer knapp halbstündigen Unterbrechung trat der Moderator wieder vors Publikum. Koch sei auf dem Weg ins Krankenhaus, er sei ansprechbar, spüre seine Beine, offenbar liege also keine Lähmung vor. Es gehe ihm aber nicht gut und es habe daher keinen Sinn, mit der Show jetzt weiterzumachen, zumal auch alle Gäste unter Schock stünden, sagte Gottschalk.

Natürlich mache man sich als Moderator jetzt Vorwürfe, ob man dem Kandidaten von der Wette hätte abraten sollen. Gottschalk bat die Zuschauer im Saal und daheim am Bildschirm um Verständnis darum, dass die Sendung nun abgebrochen werde. Dies sei das erste Mal in seiner langen Laufbahn. „Wir im ZDF fühlen uns verpflichtet, nicht auf heiter zu machen, wenn wir nicht heiter sind.“ Andreas Conrad

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