Welt : Trauer um Unfallopfer

Die acht Toten sind identifiziert worden

Foto: dapd

Rostock - Nur noch ein auf 50 Metern eingerissener Zaun erinnert auf der Autobahn zwischen Rostock und Güstrow an ein Unglück, das zu den schwersten in der Geschichte Deutschlands zählt. Am Freitag starben bei einer Massenkarambolage acht Menschen, ihre Leichen wurden aus ausgebrannten Autos geborgen. Mehr als 80 Autos und Lastwagen waren in einem Sandsturm ineinandergefahren.

Ab Sonntagnachmittag rollte der Verkehr in beiden Richtungen wieder. Nur Stunden zuvor wurde das letzte Lkw-Wrack geborgen. Danach musste die Autobahn repariert werden. Die Gluthitze der in Flammen aufgegangenen Autos hatte Löcher in die Fahrbahndecke gebrannt. Auch 24 Stunden nach dem Unfall hatte es noch aus Glutnestern der bis zur Unkenntlichkeit verschmolzenen Fahrzeugwracks gequalmt.

41 Menschen waren ins Krankenhaus eingeliefert worden, mehrere lagen auch am Sonntag noch auf der Intensivstation. Die acht Todesopfer wurden inzwischen identifiziert, ihre Leichen werden demnächst in die Heimatorte übergeführt.

Der Pfarrer der nahe am Unfallort liegenden Kirchgemeinde Kavelstorf sucht nach Worten. Reden sei wichtig, um das Unglück zu erfassen, sagt Konrad Frenzel. „Und wir müssen zum Nachdenken kommen darüber, was uns die ganze Jagd nach Schnelligkeit bringt.“ Die Menschen vertrauten sich zu sehr der Technik an, versuchten, „das Letzte rauszuholen“, sagt Frenzel am Sonntag beim Gottesdienst in Kavelstorf. In Gedenken an die acht Todesopfer zünden die Kavelstorfer Kerzen an. „Hier sind es acht Tote auf einmal, aber wie viele Kreuze stehen insgesamt an den Straßenrändern?“, fragte Frenzel.

Am kommenden Sonntag soll ein zentraler Gottesdienst für die Opfer des Horrorunfalls stattfinden. Die Kavelstorfer Kirchgemeinde würde ihn gern in ihrem Gotteshaus abhalten, der einzigen Autobahnkirche des Bundeslandes, die allerdings nur rund 300 Personen Platz bietet. Die Straßenmeisterei hat inzwischen angeboten, dass Blumen und Kränze in der Nähe des Unfallorts abgelegt werden, auf dem angrenzenden Feldweg, der mit einem Wildzaun von der Autobahn abgetrennt ist. Aus dieser Richtung fegte am Unfalltag auch der tödliche Sandsturm von den frisch gepflügten Feldern über die Autobahn. dapd

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