Tsunami : Viele Tote durch Flutwelle auf Java

Bei meterhohen Flutwellen nach einem Seebeben sind in Indonesien mindestens 172 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte wurden verletzt. Mindestens 85 Menschen werden nach dem Tsunami im Süden der Insel Java vermisst.

Jakarta - Die Toten stammen nach Angaben des indonesischen Roten Kreuzes aus Yogyakarta, Zentral- und West-Java. Unter den Vermissten waren auch zwei schwedische Kinder, wie das Außenamt in Stockholm mitteilte. Außerdem wurden 15 Häftlinge vermisst. Nach Angaben der indonesischen Nachrichtenagentur Antara erlitten hunderte Menschen Verletzungen. Wie Bewohner des Küstenortes Pangandaran im Süden der Insel berichteten, schleuderten bis zu drei Meter hohe Flutwellen Boote an Land und zerstörten Strandhotels.

"Plötzlich kamen Wellen, und wir rannten in die Hügel. Vier Leute aus meiner Gruppe werden vermisst", berichtete eine Augenzeugin namens Teti, die mit einer Gruppe niederländischer Urlauber in Pangandaran unterwegs war, im indonesischen Radiosender ElShinta. Das Rote Kreuz schickte freiwillige Helfer mit drei Krankenwagen auf die Suche nach 40 Einheimischen, die in der Region an einem Damm bauten. Wie Metro TV berichtete, wurden auch 15 Häftlinge von der Gefängnisinsel Nusakambangan in der Nähe von Pangandaran vermisst. Sie hatten in der Nähe des Strandes Vieh gehütet.

Eine Sprecherin des schwedischen Außenministeriums sagte, es würden zwei Kinder im Alter "zwischen fünf und zehn Jahren" vermisst. Die beiden seien mit ihren Eltern am Strand von Pangandaran gewesen, als die Flutwellen über die Insel brachen, meldete die schwedische Nachrichtenagentur TT. Der Vater werde im Krankenhaus behandelt.

Der indonesische Abgeordnete Rudi Supriatna Bahro verglich die Lage im Fernsehen mit der Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004. Damals starben allein in der Provinz Aceh im äußersten Westen von Indonesien knapp 170.000 Menschen, insgesamt kamen in Südostasien über 220.000 Menschen in den Flutwellen ums Leben.

Seebeben vor Java

Wie die indonesische Erdbebenwarte bekannt gab, hatte sich um 15.19 Uhr Ortszeit (10.19 Uhr MESZ) ein Seebeben mit Epizentrum im Meer vor Pangandaran ereignet. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono forderte die Anwohner auf, die gefährdeten Küstenregionen zu verlassen. Es habe bereits fünf Nachbeben gegeben. Eines davon erreichte die Stärke 5,3 auf der Richterskala. Die Erdstöße waren auch in Jakarta und der Provinzhauptstadt Bandung im Westen Javas zu spüren.

Nach dem Seebeben waren auch Tsunami-Warnungen für die indischen Nikobaren und die australische Weihnachtsinsel sowie die Kokosinseln herausgegeben worden. Von dort gab es aber keine Schadensmeldungen. Ein Sprecher von Geoscience Australia berichtete von einem 60-Zentimeter-Wasseranstieg auf der Weihnachtsinsel, den er als "ziemlich klein" bezeichnete.

Ein Seebeben der Stärke 9,0 hatte im Dezember 2004 verheerende Flutwellen ausgelöst, von denen Indonesien am schwersten betroffen war. Trotz Bemühungen um eine bessere Vorsorge gegen Flutwellen hat Indonesien bis heute kein funktionierendes Frühwarnsystem. Der Inselstaat liegt im Pazifischen Feuergürtel, wo die Bewegungen der Kontinentalplatten eine hohe vulkanische und seismische Aktivität verursachen. (tso/AFP)

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