Türkei : Mutmaßlicher Mörder von Kardelen bestreitet Tat

Der mutmaßliche Mörder der achtjährigen Kardelen aus Paderborn, Ali K., hat die Tat betstritten. Der 29-Jährige war zuvor in der türkischen Kleinstadt Didim festgenommen worden.

Istanbul/Paderborn"Freunde, an dieser Geschichte ist nichts dran. Alles wird geklärt werden", habe Kur am Mittwoch vor Journalisten im Gerichtsgebäude der Kleinstadt Didim gesagt, berichtete die türkische Tageszeitung "Milliyet" in ihrer Onlineausgabe. Unterdessen sei der 29-jährige nach dreistündiger Vernehmung durch Richter in Untersuchungshaft genommen worden.

Maßgeblichen Anteil an der Verhaftung in der westtürkischen Kleinstadt Didim hatte der Schwiegervater des Tatverdächtigen. Der ebenfalls in Paderborn beheimatete Vater von Kurs Ehefrau hatte den 29-Jährigen nach türkischen Medienberichten tagelang in der Türkei verfolgt und ihn damit zum Aufgeben gedrängt.

"Die türkische Polizei hat dem Bundeskriminalamt die Festnahme bestätigt", sagte der ermittelnde Staatsanwalt Ralf Vetter in Paderborn. Die türkische Justiz will Kur nach Angaben der deutschen Ermittler aber nicht an Deutschland ausliefern. Sie führe nach derzeitigem Informationsstand ein eigenes Verfahren gegen den Mann. Die Staatsanwaltschaft bereite im Hinblick darauf die Abgabe des Verfahrens und die Übersendung der Ermittlungsakten an die türkischen Behörden vor, teilte die Behörde in Paderborn am Abend mit.



Schwiegervater folgte der Spur des Gesuchten fünf Tage lang


Kur hatte sich zwei Tage nach der Tat Mitte Januar in die Türkei abgesetzt und sich zuletzt bei einer Tante aufgehalten. Nach Aussage eines Paderborner Polizeisprechers wurde er am Dienstagabend aus einem Auto heraus festgenommen. Wem der Wagen gehörte, und ob Kur allein in dem Fahrzeug saß, sei noch unklar. Auch gebe es bei den deutschen Ermittlern noch keine Informationen darüber, ob die türkische Polizei das Auto gezielt oder zufällig angehalten hatte.

Der Schwiegervater Kurs, Kadir Ayaz, sagte türkischen Medien, die Familie sei der Spur des Gesuchten bereits fünf Tage gefolgt. Er setzte auch Privatdetektive bei der Suche ein. In den vergangenen Tagen war in Deutschland die Befürchtung laut geworden, Kur könne wegen der Tat vor einer Festnahme umgebracht werden. Der Schwiegervater sagte, er habe - mit mehreren Männern in Begleitung - Kur treffen und der Justiz übergeben wollen. Doch als dieser die Gruppe sah, sei er selbst zur Polizei gefahren. Seine Suche nach dem mutmaßlichen Mörder sei eine Frage der Ehre gewesen, betonte der Schwiegervater.

Noch am Mittwoch wandten sich die Eltern Kardelens an die Öffentlichkeit und dankten den Ermittlern in der Türkei und in Deutschland für die Arbeit der vergangenen Wochen. "Ich weiß, dass meine Tochter gestorben ist und freue mich, dass andere Kinder gerettet worden sind, weil er gefasst wurde", sagte Kardelens Mutter in türkischer Sprache vor Journalisten. Der Vater fügte hinzu: "Unser Schmerz ist unser Schmerz. Und das kann nur Gott wissen, was wir leiden mussten, was wir durchmachen mussten."

Kein Hinweis auf Komplizen

Die türkischstämmige Kardelen war am 12. Januar in der Nähe ihres Elternhauses in der ostwestfälischen Stadt verschwunden. Drei Tage später wurde ihre Leiche am rund 60 Kilometer entfernten Möhnesee im Sauerland entdeckt. Die Ermittlungen ergaben später, dass die Achtjährige in der nahen Wohnung des türkischen Nachbarn Kur missbraucht und erstickt worden war.

Der 29-Jährige war mit seiner Frau vom Flughafen Köln/Bonn aus nach Izmir in die Türkei geflohen. "Wir haben keine Anhaltspunkte, dass sie sich strafbar gemacht hat", sagte Vetter. Selbst wenn sie ihren Mann gedeckt haben sollte, wäre das gemäß deutschem Recht straffrei. Die deutschen Ermittler erhoffen sich allerdings von der Aussage der Ehefrau Aufschluss darüber, wie Kur das tote Mädchen nach dem Mord in Paderborn zum Möhnesee bringen konnte. Der 29-Jährige mutmaßliche Mörder besitzt weder einen Führerschein noch ein Auto. Dass er die Leiche mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Fundort gebracht habe, schloss Staatsanwalt Vetter aus. Bisher gebe es aber keine Anhaltspunkte auf Komplizen. (kk/dpa)

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