Unbequeme Blutsverwandtschaft : Kontroverse um Michelle Obamas weiße Vorfahren entbrannt

15.07.2012 14:17 Uhrvon
Eine amerikanische Biografie. First Lady Michelle Obama. Foto: dapd
Eine amerikanische Biografie. First Lady Michelle Obama. - Foto: dapd

Eine Reporterin der New York Times hat die Familiengeschichte von Michelle Obama nachverfolgt und herausgefunden, dass die erste schwarze First Lady weiße Vorfahren hat. Amerika wird nun mit einer dunklen Seiten seiner Geschichte konfrontiert.

Die weiße Südstaatlerin Joan Tribble hatte so eine Ahnung, als sie das Bild von Dolphus Shields, einem afroamerikanischen Mann mit melancholischen Augen, zum ersten Mal sah. Inzwischen hat sie Gewissheit. Sie ist blutsverwandt mit Michelle Obama. Dolphus Shields war der Ururgroßvater der ersten schwarzen First Lady der USA. Er hatte eine schwarze Mutter. Sein Vater Charles Shields war jedoch ein Weißer. Und dieser Charles ist zugleich ein Vorfahre der weißen US-Bürgerin Joan Tribble. Ihre spontane Reaktion, als ihr Dolphus’ Porträt aus der Zeitung entgegenstarrte, beschreibt sie so: „Er sieht aus, als könnte er zu meiner Familie gehören.

Das war ein überraschendes Gefühl. Ihre Vorfahren stammten aus Irland und hatten, soweit sie wusste, nie über die Rassengrenzen hinweg geheiratet. Die Gesichtszüge dieses Dolphus, den die „New York Times“ 2009 als halb weißen, halb schwarzen Vorfahren Michelle Obamas vorstellte, erinnerten sie jedoch an die Bilder ihrer eigenen Ahnen.

Nun ist bewiesen: Charles Shields hatte Kinder mit verschiedenen Frauen. Die Mutter des ehelichen Sohnes McClellan, von dem Tribble abstammt, war seine weiße Ehefrau. Die Mutter von Dolphus, dem Ururgroßvater der First Lady, war eine schwarze Sklavin. Wenn man Bilder der Halbbrüder nebeneinander sieht, ist die Ähnlichkeit verblüffend – trotz der unterschiedlichen Hautfarbe. Der Nachname ging auf beide über. Michelle Obamas Mutter wurde am 29. Juli 1937 als Marion Shields geboren.

Bildergalerie: Michelle Obama - ein amerikanischer Traum

Rachel Swarns, eine Reporterin der „New York Times“, die 2009 über die Suche nach Michelle Obamas Familiengeschichte berichtete, hat den Geschichtsfaden verfolgt und eine ausreichende Zahl von Shields-Nachkommen gefunden, die bereit waren, ihre DNA untersuchen zu lassen. Vor wenigen Tagen ist ihr Buch erschienen: „American Tapestry. The Story of the Black, White and Multiracial Anchestors of Michelle Obama“.

Es ist kein leichtes Thema für Amerika. Die Aufdeckung rührt an wunde Punkte der nationalen Geschichte. Unzählige Schwarze und Weiße in den USA sind enger miteinander verwandt, als sie ahnen und als vielen lieb ist. Denn die Antworten auf die Fragen, die sich unweigerlich stellen, können beschämend sein. Bis zum Bürgerkrieg (1861 bis 1865) gab es Sklaverei in den Südstaaten. Rassentrennung war sogar bis in die 1960er Jahre dort vorgeschrieben. Möchten Weiße wirklich wissen, unter welchen Bedingungen ihre Vorfahren damals schwarze Frauen schwängerten? Die Volkszählung von 1890 ergab 1,1 Millionen „gemischtrassige“ Amerikaner – unter 63 Millionen Bürgern insgesamt. Inzwischen weiß man, dass alle vier Großeltern Michelle Obamas auch weiße Vorfahren hatten.

Die Mutter jenes Dolphus Shields war ein Sklavenmädchen namens Melvinia. Allein die Erkenntnis, dass ihre Vorfahren Sklaven besaßen, ist für viele lebende Familienmitglieder bedrückend. Sie hatten sich die Ahnen als bescheidene Bauern vorgestellt, nicht als Sklavenhalter.

Völlig falsch sind solche Bilder nicht, sagen Historiker. Die Shields gehörten nicht zur vermögenden Oberschicht wie, zum Beispiel, Thomas Jefferson, einer der Gründungsväter der USA. Sein Anwesen Monticello umfasste mehr als 2000 Hektar, er besaß 200 Sklaven. Mit einer davon, Sally Hemings, zeugte er mehrere Kinder; sie bekam eine privilegierte Stellung im Haushalt. Bei Führungen in Monticello klingt es manchmal so, als sei das eine Liebesbeziehung gewesen und als dürfe man in Jefferson einen Vorreiter des modernen Amerika ohne Rassenschranken sehen; nur leider habe er nicht im Alleingang den Zeitgeist und die ökonomischen Zwänge, aus denen die Sklaverei erhalten blieb, überwinden können.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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