Unesco-Welterbe : Weltweit einzigartig

Das Wattenmeer könnte Unesco-Weltnaturerbe werden, während Dresden seinen Titel am Dienstag verlieren dürfte.

Dagmar Dehmer
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Dresdner Elbtal. Geht der Weltkulturerbe-Titel verloren? -Foto: ddp

Berlin - Das zweite Unesco-Weltnaturerbe in Deutschland droht im Getöse um die Dresdner Waldschlösschenbrücke unterzugehen. Dabei hat der deutsch-niederländische Antrag auf eine Listung des Wattenmeers als Weltnaturerbe der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur gute Chancen. Voraussichtlich am Mittwoch wird das Welterbe-Komitee, das seit Montag bis zum 30. Juni in Sevilla tagt, seine Entscheidung treffen. In der Antragsbegründung wird die Einzigartigkeit des Wattenmeers auf mehr als 300 Seiten beschrieben. Das Ökosystem hat sich erst nach der jüngsten Eiszeit vor etwa 8000 Jahren entwickelt. Im Wattenmeer kann man der Evolution bei der Arbeit zusehen, denn es ist das weltweit größte zusammenhängende Gebiet aus Sand- und Schlickwatten, in dem die natürliche Dynamik noch erhalten ist.

Auch dem Gutachten der Weltnaturschutzunion (IUCN) im Auftrag der Unesco ist nichts Negatives zu entnehmen. Dänemark und Hamburg, die zunächst Mitantragsteller des Vorhabens waren, haben ihre Unterschriften allerdings zurückgezogen. Dänemark fürchtet offenbar Einschränkungen der Offshore-Windkraftnutzung, und Hamburg will seine Pläne für eine Elbvertiefung nicht aufgeben. Neben den Niederlanden sind deshalb nur noch die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig- Holstein am Antrag beteiligt.

Bisher verfügt Deutschland nur über ein Weltnaturerbe: die Grube Messel bei Darmstadt, wo eine Vielzahl von Fossilien aus der Zeit der Entstehung der Säugetiere ausgegraben worden sind. Doch im kommenden Jahr wollen Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Hessen gemeinsam einen weiteren Antrag stellen. Sie wollen die deutschen Buchenwälder in eine Reihe mit dem Grand Canyon in den USA oder dem Great Barrier Riff vor Australien stellen.

Die Schlagzeilen in diesem Jahr wird aber wohl Dresden machen. Seit 2006 – zwei Jahre nach der Verleihung des Weltkulturerbetitels an das Elbtal – steht es auf der roten Liste der gefährdeten Weltkulturerbestätten. Der Grund: Dresden plant eine neue Brücke über die Elbe, die nur zwei Kilometer von der Altstadt entfernt und nach Unesco-Einschätzung mit dem Welterbetitel nicht vereinbar ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dresden den begehrten Titel verlieren wird, ist hoch. Die Entscheidung wird am Dienstag erwartet. Bisher ist das nur einmal passiert. 2007 strich die Unesco einen Nationalpark zum Schutz der Oryx-Antilope in Oman von der Liste, nachdem das arabische Land eine Verkleinerung des Schutzgebietes um 90 Prozent beschlossen hatte. 1994 war das Gebiet Weltnaturerbestätte geworden. Bis zur Streichung 2007 verminderte sich der Bestand der Oryx-Antilopen von 450 auf 65 Tiere.

Derzeit gibt es 878 Weltkulturerbestätten, davon sind 175 Weltnaturerbestätten. In Sevilla will das Unesco-Komitee über insgesamt 35 Neuaufnahmen beraten, darunter vier Weltnaturerbestätten.

Anders als Dresden war es Köln gelungen, den Kölner Dom wieder von der Roten Liste streichen zu lassen, nachdem die Stadt auf ein umstrittenes Hochhausprojekt verzichtet hatte. In der Debatte um eine neue Brücke über den Rhein bei Sankt Goarshausen befürchtet der Sprecher der Deutschen Unesco-Kommission, Dieter Offenhäußer, keine ähnliche Auseinandersetzung. „Der Fall des Weltkulturerbes Ober-Mittelrheintal liegt völlig anders“, sagte er dem Tagesspiegel. Denn die Verantwortlichen in Rheinland-Pfalz hätten sich mit ihren Planungen „von Anfang an“ und „konstruktiv“ an die zuständigen Unesco-Stellen gewandt. Ob die Pläne mit dem Weltkulturerbetitel vereinbar sind, werde in Sevilla aber nur am Rande verhandelt, sagte Offenhäußer.

Schwetzingen hat seinen Antrag auf Aufnahme des Schlosses wegen vermutlicher Erfolglosigkeit zurückgezogen. Wenig chancenreich scheint auch der Antrag zu sein, das Werk des Architekten Le Corbusier als Weltkulturerbe listen zu lassen. Der Antrag wird von Frankreich, Deutschland, Belgien, Japan und Argentinien unterstützt und enthält als einen Bestandteil auch die 1927 von Le Corbusier errichtete Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Insgesamt wollen die Antragsteller 22 bedeutsame Ensembles mit dem Ehrentitel ausgestattet wissen. Die Gutachter von Icomos, dem Internationalen Denkmalsrat, waren offenbar wenig begeistert. Sie schlugen vor, den Antrag auf drei französische Bauwerke einzugrenzen.

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