Unfall : Triebwerk saugt Container an

Auf dem Flughafen von Los Angeles kam es am Montag zu einem außergewöhnlichen Zwischenfall: Das Triebwerk einer Boeing 747 saugte einen etwa 80 Kilogramm schweren Gepäckcontainer an. Die Maschine wurde beschädigt, verletzt wurde jedoch niemand.

Rainer W. During
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Ein Container klemmt im linken Außentriebwerk des Jumbo-Jets. Fotos: AFP/Reuters

Los AngelesPassagiere waren entsetzt, als sie aus dem Fenster sahen, dass am Triebwerk ihres Flugzeugs ein großer Container klebte. Der Vorfall ereignete sich am Montag auf dem Flughafen von Los Angeles. Die 245 Passagiere und 18 Besatzungsmitglieder kamen mit dem Schrecken davon, der Jumbo-Jet musste beschädigt aus dem Verkehr gezogen werden.

Der Zwischenfall ereignete sich gegen 13.30 Uhr Ortszeit, als die Boeing 747-400 der Japan Air Lines mit laufenden Triebwerken vom Abfluggate zurücksetzte. Plötzlich wurde vom Boden ein leerer Gepäckcontainer hochgeschleudert. Die rund 80 Kilogramm schwere Aluminiumbox mit Seitenmaßen von rund 1,50 Metern wurde vom Triebwerk mit riesiger Kraft angesaugt und blieb stecken. Ob die sich dahinter drehenden Turbinenschaufeln beschädigt wurden, ist nicht bekannt. Die Passagiere mussten den Jumbo Jet wieder verlassen und wurden mit anderen Maschinen nach Tokio befördert. Die Boeing wurde zur Untersuchung in eine Wartungshalle geschleppt. Nach Angaben der US-Bundesluftfahrtbehörde war genau zu dem Zeitpunkt, als das Flugzeug abrollte, ein Bodenfahrzeug mit den leeren Containern vorbeigefahren. Durch das vor den Aggregaten entstehende Vakuum muss eines der Behältnisse in das Triebwerk gesaugt worden sein. Normalerweise gilt vor und hinter laufenden Strahltriebwerken ein genau festgelegter Sicherheitsabstand. Im Fachjargon FOD (Foreign Object Damage) genannte Schäden durch leichtsinnig auf dem Flughafen liegen gelassene Gegenstände stellen für die Luftverkehrsgesellschaften ein großes Problem dar und kosten die Branche jährlich bis zu zwei Milliarden Dollar an Reparaturen. Meist handelt es sich um kleinere Objekte wie das abgefallene Rad eines Koffers oder eine leere Flasche.

In den meisten Fällen bleibt es bei schweren Sachschäden. Im Jahr 2000 allerdings löste ein solches Fremdobjekt in Paris eine Katastrophe aus. Das von einer DC-10 der Continental Airlines verlorene Teil der Schubumkehrvorrichtung eines Triebwerkes wurde von einer nachfolgend startenden Concorde der Air France aufgewirbelt und gegen die Tragfläche geschleudert. In der Folge riss der Treibstofftank, das ausströmende Kerosin entzündete sich und der Überschalljet stürzte ab. 113 Menschen kamen ums Leben.

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