US-Präsident auf Journalisten-Gala : „Alles seine Schuld!“

Präsident Obama gibt einmal im Jahr den Hofnarren – und macht auch über seinen Vorgänger Witze. Besonders gut kam eine von ihm erstellte Montage mit Michelle Obamas Frisur an.

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Fit für die zweite Amtszeit. Barack Obama behauptete beim traditionellen Dinner mit der Hauptstadtpresse in Washington, er wolle sich seine Frau und vor allem ihre Frisur zu eigen machen. "Sieht doch schick aus", meinte er.
Fit für die zweite Amtszeit. Barack Obama behauptete beim traditionellen Dinner mit der Hauptstadtpresse in Washington, er wolle...Foto: Reuters

Einmal im Jahr ist er sein eigener Hofnarr. Beim Dinner mit den White-House- Korrespondenten reißt der Präsident Witze, um dem Regieren und den Wechselbeziehungen mit den Medien eine heitere Seite abzugewinnen. Er soll auch sich selbst auf die Schippe nehmen. In den USA ist dies der ultimative Test für die Bodenhaftung. Barack Obama gilt als äußerst selbstbewusst, aber der Selbstironie gibt er über die Jahre mehr Raum.

Bei seinem Auftritt in der Nacht zu Sonntag spottete er über seine abstehenden Ohren und seine geringe Trefferquote, als er am Ostermontag mit Kindern Basketball spielte und nur zwei seiner 22 Würfe im Korb landeten. Er zeigte angebliche Illustriertencover von sich als golfenden Politikrentner und Fotomontagen mit einer optischen Generalüberholung für die zweite Amtszeit: mit künstlich geglättetem Haar und einer in die Stirn gekämmten Ponyfrisur.

Er nahm auch die Kritik auf, er schiebe seine Misserfolge gerne auf seinen Vorgänger im Amt, George W. Bush, ab. Dessen gerade eröffnete Präsidentenbibliothek in Texas habe ihn zu Plänen für die eigene Library inspiriert, sagte Obama. Er werde direkt daneben bauen und einen Pfeil aufs Dach setzen, der auf das Bush-Museum weist, mit der Aufschrift „Alles seine Schuld!“

Sehen Sie hier die komplette Rede von Barack Obama:

Von der Selbstironie war es nur ein kleiner Schritt zu Seitenhieben auf seine Gegner, die noch immer auf seinem Bekenntnis herumreiten, dass er als Jugendlicher gekifft habe, oder gar verbreiten, er sei nicht in Amerika geboren und dürfe folglich nicht Präsident sein. Es wäre eine schöne Idee, seine Presidential Library in seinem Geburtsort zu bauen, scherzte Obama, aber dann habe er sich gedacht, sie sollte nicht außerhalb der USA stehen. „Ich bin auch nicht mehr der stramme, junge, muslimische Sozialist, der ich einmal war“, rief er den Konservativen zu. Zu seinen Collegezeiten vor 30 Jahren stand „Buzz Feed“ für nächtliches Kiffen. Heute ist es der Name einer populären Internetseite.

Dann nahm er sich die linkeren Medien vor. Maureen Dowd, die spitzzüngige Kolumnistin der „New York Times“ verlangte kürzlich mehr Härte im Umgang mit den Republikanern, wie sie zum Beispiel die von Michael Douglas gespielte Hauptperson in der Komödie „The American President“ zeige. „Was ist dein Geheimnis, Michael?“, fragte er den unter den Dinnergästen sitzenden Hollywoodstar. „Könnte es daran liegen, dass du eine von Linken erfundene Fantasiefigur spielst?“ Über den Nachrichtensender CNN, der während des Anschlags auf den Boston-Marathon mit Falschmeldungen von sich reden gemacht hatte, spottete der Präsident: „An CNN liebe ich, dass sie eine Story von allen Seiten betrachten – in der Hoffnung, dass eine davon am Ende die richtige ist.“

Vor dem Dinner hatten manche Medien spekuliert, ob Obama angesichts der Toten der vergangenen zwei Wochen – beim Bombenanschlag in Boston, der Explosion einer Düngemittelfabrik in Texas und den Überflutungen im Mittleren Westen – einen ernsteren Ton anschlagen würde. Zweimal hatten Präsidenten das Witzeln auf ein Minimum reduziert: Bill Clinton 1995 nach dem Bombenanschlag in Oklahoma und Bush 2007 nach dem Massaker an der Virginia-Tech-Universität. Diese Dimension erreichen die jüngsten Trauerfälle nicht. Obama ehrte zum Ende seines Auftritts die Opfer, dankte den Helfern und mahnte demütig: „Wir alle können manches besser machen, mich eingeschlossen.“

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