USA : Doping-Hormone als Trenddroge

Musikstars, besonders aus der amerikanischen Rap- und HipHop-Szene hoffen mit der neuen Art von Doping das Altern zu verlangsamen. Ihnen droht schlechte Haut und Herzversagen.

Bas Kast
50cent
Unechter Superbody? US-Rapper 50cent dopt sich mit Hormonen, weil er Angst vor den Zeichen des Alters hat. -Foto: AFP

50 Cent, Timbaland, Wyclef Jean, Mary J. Blige – und noch einige andere Musikstars aus der Rap-Szene sind ins Fadenkreuz der US-Drogenfahndung geraten. Der Vorwurf: Sie haben sich offenbar Wachstumshormone und anabole Steroide in ihre Hotels und Häuser liefern lassen. Davon berichtet die im US-Staat New York erscheinende Zeitung „The Times Union of Albany“.

Man braucht nur einen Blick auf 50 Cent oder Timbaland zu werfen, um zu erraten, weshalb die Substanzen für sie eine magische Anziehungskraft haben: Anabole Steroide (anabol heißt aufbauend) sorgen – unter anderem – für Muskelwachstum. Sie sind bekannt als Dopingmittel für Sportler. Meist handelt es sich dabei um eine Form von künstlich hergestelltem Testosteron, das wichtigste Sexualhormon des Mannes. Auch Frauen bilden Testosteron, nur etwa zehnmal weniger als Männer. Testosteron bewirkt nicht nur Muskelwachstum, sondern macht auch aggressiv und geht mit Dominanzstreben einher.

Aber auch die R&B-Sängerin Mary J. Blige hat sich das Wachstumshormon Somatotropin sowie das anabole Steroid Oxandrolon bestellt – vermutlich, weil die Substanzen ebenfalls zur Fettverbrennung beitragen. Erst kürzlich hatte Sylvester Stallone einige Tausend Euro Strafe zahlen müssen, nachdem man Anfang 2007 bei seiner Einreise in Australien 48 Ampullen mit Somatotropin und Testosteron im Gepäck gefunden hatte.

In den USA sind die Hormonpräparate längst zu einer Art Lifestyle-Droge geworden. Nach einigen Schätzungen handelt es sich dabei um ein zehn Milliarden-Dollar-Geschäft. Was besonders verhängnisvoll ist: Viele schlucken oder spritzen sich die Substanzen nicht nur, weil sie sich davon einen Muskelauf- und Fettabbau versprechen. Sie glauben, dass die Präparate ein Jungbrunnen sind, der die Alterung ihres Körpers aufhält, Heilungsprozesse beschleunigt und sie besser aussehen lässt. Für diese Hoffnung jedoch gibt es kaum medizinischen Belege.

Richtig ist, dass im Laufe des Alters viele – wenn auch nicht alle – Hormonspiegel sinken. Das betrifft Wachstumshormone ebenso wie zum Beispiel das Testosteron. Aus diesem Grund sind die Substanzen in den Verdacht geraten, sie könnten, wenn man ihren Spiegel aufrechterhält, gewisse Anti-Aging- Effekte hervorrufen.

Die Studien, die es dazu gibt, sind spärlich. Das Nationale Institut für Alternsforschung in den USA, NIA, stellt in einer aktuellen Übersichtarbeit fest: Es existieren immer noch keine überzeugenden Befunde, dass Wachstumshormonpräparate die Gesundheit fördern oder das Altern aufhalten könnten. Stattdessen weisen die Experten auf einige erhebliche Risiken hin, darunter Diabetes, ein Aufschwemmen der Haut, Bluthochdruck und Herzversagen.

Das NIA testet auch, ob Testosteron eine verjüngende Wirkung haben könnte. „Die Resultate der ersten, vorläufigen Untersuchungen sind unklar“, stellt das Institut in seinem Bericht fest. Möglicherweise könnten solche Präparate die Bildung von Prostatakrebs begünstigen. Und es gibt Hinweise darauf, dass Extra-Testosteron die Produktion roter Blutkörperchen ankurbelt, was das Blut „dicker machen kann und das Risiko für einen Schlaganfall erhöht“. Fazit: Testosteronpräparate können einem zwar das Gefühl der Kraft und Energie geben – die Langzeitwirkungen jedoch sind bedenklich.

Bis heute gibt es nur bei einem Mittel einige halbwegs wissenschaftliche Belege dafür, dass es dem Altern ein Schnippchen schlagen kann: eine rigorose Hungerkur. Bei zahlreichen Tieren – von Spinnen bis Affen – ist dies zumindest nachgewiesen. Aber auch eine strikte Diät hat einige Nachteile: Die Körpertemperatur sinkt, das heißt, man friert ständig. Die Lust auf Sex sinkt ebenfalls. Und was vielleicht noch schlimmer ist: Man darf sich nie wieder so richtig satt essen.

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