USA : Nachhilfe aus Bombay

In den USA erhalten viele Schüler Nachhilfe per Interent. Die Pauker sitzen dabei aber nicht in New York oder Los Angeles, sondern im fernen Indien.

Washington - Komplizierte mathematische Gleichungen oder schwierige Grammatikübungen rauben vielen Schülern (und Eltern) den letzten Nerv. Nachhilfe ist aber besonders in den USA ziemlich teuer - eine Stunde kostet zwischen 40 und 100 Dollar (33 bis 83 Euro). Jetzt gibt es eine viel preisgünstigere Variante, nämlich die Nachhilfe per Internet. In Indien gibt es immer mehr Unternehmen, die sich auf Nachhilfe im Netz spezialisiert haben. Die Preise sind unschlagbar günstig: 99,99 Dollar im Monat für eine unbeschränkte Anzahl von Stunden kostet das Angebot beispielsweise bei TutorVista, einer Nachhilfefirma in Bangalore.

TutorVista hat sich auf Schüler aus den USA spezialisiert. Von Mathe über Biologie und Geschichte können die Jugendlichen alles buchen. "TutorVista soll Bildung für die Massen erschwinglich machen", sagt Krishnan Ganesh, der das Unternehmen in einer der größten Städte und wichtigsten Industriezentren Indiens gegründet hat. "Es ist ein Widersinn, dass die USA die meisten Wissenschafts-Nobelpreisträger hervorbringen, sich das Bildungssystem dort aber schon in der Schule als nicht krisenfest erweist." Rund 1900 junge Amerikaner ließen sich bisher von TutorVista helfen.

Die Kommunikation ist denkbar einfach: Der Schüler loggt sich mit einem Passwort ein und bekommt dann einen Lehrer zugewiesen. Beide telefonieren mit einem Headset übers Internet und benutzen jeweils eine eigens angeschlossene elektronische Tafel, auf der beide gleichzeitig schreiben und malen können - wie in einer richtigen Schule eben.

Zu wenig Aufmerksamkeit

Der jüngste Problemschüler des Unternehmens sei sechs Jahre alt, erzählt Ganesh. Die meisten bräuchten Hilfe in Englisch und in den Naturwissenschaften. 170 Lehrer - viele von ihnen sind pensioniert - beschäftigt das Unternehmen mittlerweile. Die meisten von ihnen leben in Indien, einige in Singapur, Hongkong und auf den Philippinen. In Kursen mussten sie sich zunächst mit den US-Lehrplänen und Unterrichtsmethoden vertraut machen, aber auch die amerikanische Umgangssprache lernen. "Es ist nicht so, dass die Schulen oder die Lehrer in den USA nicht gut sind", sagt Ganesh. Aber die Kinder und Jugendlichen bekämen zu wenig persönliche Aufmerksamkeit.

Die Schüler sind jedenfalls zufrieden. "Es ist so, als würden der Lehrer und ich nebeneinandersitzen", berichtet Prisa Zachariah aus dem Bundesstaat Pennsylvania. Sie hat sich bei LearnMatics eingeschrieben, einer Firma, die ihren Sitz in Pennsylvania hat, aber Lehrer in Indien beschäftigt.

Gigantischer Wachstumsmarkt?

Ganesh ist überzeugt, dass dem "E-Tutoring" ein gigantischer Wachstum bevorsteht. Das Unternehmen begann kürzlich in Großbritannien seine Dienstleistungen anzubieten und will auch in China, Australien und in der eigenen Heimat Kinder übers weltweite Datennetz unterrichten. Pauken übers Netz werde bald ganz normal sein. "Familien geben Geld fürs Kabelfernsehen und für die Stromrechnung aus", sagt der 44-Jährige. Nachhilfe per Internet werde künftig ganz selbstverständlich zum Haushaltsplan einer Familie dazugehören. (Von Jocelyne Zablit, AFP)

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