Welt : Vergeblicher Kampf gegen braune Fluten

In der Nacht zum Dienstag gibt sich Helmut Kölbl noch zuversichtlich. Seine kleine Gemeinde Eschenlohe könnte diesmal vom Hochwasser verschont bleiben, hofft der stellvertretende Bürgermeister.

Eschenlohe (23.08.2005, 13:47 Uhr) - Wegen der Regenfälle an den Tagen zuvor ist in dem Dorf nördlich von Garmisch-Partenkirchen dennoch alles vorbereitet: Kies und Splitt liegen bereit, zehntausend Sandsäcke sind abgefüllt. Wenige Stunden später jedoch schwemmen die schmutzig-braunen Wassermassen der Loisach alle Hoffnungen weg: Der Damm bricht, in Teilen der Gemeinde steht das Wasser am Dienstagvormittag bis zu einem Meter hoch in den Straßen. Mit Booten bringen Helfer der Feuerwehr die Menschen in Sicherheit.

Von einer «explosionsartigen Entwicklung» spricht der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim, Peter Frei: «Der Loisachpegel in Eschenlohe ist am Montag von 1,19 Meter auf 2,04 Meter angestiegen. Ab 1,90 Meter droht eine Überflutung der Schutzdämme.» Als die kritische Marke erreicht ist, löst das Landratsamt Garmisch- Partenkirchen am Montag um 20 Uhr für den gesamten Landkreis Katastrophenalarm aus. Mehr als 700 Mitglieder der Feuerwehren, des THW, des Roten Kreuzes rücken aus; Soldaten werden um Unterstützung beim Kampf gegen die drohende Flut gebeten. In Eschenlohe, sagt Helmut Kölbl, sei das halbe Dorf auf den Beinen, um zu helfen - vergebens: Am Dienstagvormittag bricht der Loisachdamm. Bewohner werden aus den überfluteten Ortsteilen gerettet und in die Bundeswehrkaserne nach Murnau gebracht.

Ähnlich kritisch entwickelt sich die Situation in Garmisch- Partenkirchen. Hier spricht die Polizei sogar von «chaotischen Verhältnissen». Am Dienstagvormittag bricht das öffentliche Leben zusammen. Die Katastrophenschutzbehörde verhängt daraufhin über die gesamte Kreisstadt ein Fahrverbot, und bittet die Bevölkerung, in ihren Häusern zu bleiben. Die Loisach und die Partnach treten über die Ufer, mitgerissenes Holz verkeilt sich an den Brücken und verhindert den Abfluss des Wassers.

Innerhalb von zwei Stunden schwillt der sonst romantische Wildbach Kanker im Ortsbereich von Partenkirchen zu einem reißenden Fluss an, läuft über und überschwemmt die Hauptstraße. Mit Schaufeln und Traktoren versuchen die Anwohner das Wasser in einigermaßen geordnete Bahnen zu lenken. Soldaten aus Mittenwald rücken mit schwerem Gerät an. Jeder hilft mit. Wirte bringen kostenlos Suppe und Brot zu den Helfern im Überschwemmungsgebiet. (Von Günter Bitala, dpa)

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