Welt : Verklärter Welpenblick

Stefan Raab bietet ausgeschiedenem DSDS-Kandidaten Buskohl neue Bühne – das sieht RTL gar nicht gern

Yoko Rückerl

Berlin - „Ich möchte allen danken, die mich bis hierhin begleitet haben“, sagte Max Buskohl, „Deutschland sucht den Superstar“ („DSDS“)-Kandidat, bei seinem letzten Auftritt in der RTL-Show. Es klang bereits nach Abschied.

Am nächsten Tag stieg Max aus – und wurde zur Medienfigur der Woche. Die Boulevardpresse schrieb von Rauswurf, die Fans waren entsetzt. Nun will ihn Stefan Raab in seiner „TV-Total“-Show auf Pro 7. Buskohl darf aber noch acht Wochen nach dem „DSDS“-Finale nur in RTL-Sendungen auftreten, so regelt es der Vertrag mit dem Privatsender. Die Ausnahme: RTL erlaubt ihm den Auftritt bei der Konkurrenz. Aber: „Warum sollten wir den schwachen Quoten von ‚TV-Total‘ auf die Sprünge helfen?“, sagt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. Die „TV-Total“-Zuschauer hielten bereits Plakate hoch: „Max hui, RTL pfui“, Raab zeigte ein Foto, auf dem Buskohl dargestellt wurde wie eine RAF-Geisel, der Text dazu lautete: „Seit 196 Tagen Gefangener von RTL“. Jörg Schleyer, Sohn des von der Rote-Armee-Fraktion ermordeten ehemaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, kritisierte in der „Bild“-Zeitung diese Darstellung. Pro 7-Sprecherin Petra Fink sagte: „,TV Total‘ ist Satire. Stefan Raab möchte mit seiner Sendung niemanden diffamieren. Wir sind sicher, dass jeder Zuschauer das versteht.“

Max Buskohl hat verstanden, dass er bei „DSDS“ musikalisch nicht frei ist. Max hat das ziemlich spät gemerkt. Er war naiv: Es ist bereits die vierte Staffel der Show. Max kannte die Spielregeln, den Vertrag mit RTL, den Medienzirkus. Der Grund für seine Teilnahme bei der Casting-Show sei ohnehin eine Wette mit einer Freundin gewesen. „Ich hätte nie gedacht, so weit zu kommen“, sagt er.

Max war der talentierteste Sänger bei „DSDS“, er galt als Pendant zu Francisca Urio, die in der vierten Mottoshow nicht genug Anrufe bekam. Für Max war ihr Rausschmiss der Auslöser seines Zweifelns. „Sie sang eindeutig am besten“, sagt er. „Ich habe das nicht verstanden.“

Max Buskohl machte weiter. Gerade mal 18 Jahre alt, wirkt er auf der Bühne erstaunlich souverän und authentisch. Er schaffte es, „When you were young“ von „The Killers“ zu singen, ohne dass man sich auch nur einen Moment fremd geschämt hätte. Bei „Suspicious minds“ von Elvis Presley war gar ein Hauch des Jazz-Sängers Michael Bublé in seiner Stimme zu erahnen. Max liegt irgendwo zwischen Bon Jovi, als der noch gut war, und David Bowie, als der noch jung war. Max wirkte seltsam fremd in der klinischen RTL-Plastikpopwelt. Das Superstar-Aussehen bringt er mit, 1,93 Meter groß, ein schmales, kantiges Gesicht, verklärter Welpenblick. Aber manchmal sah er so teilnahmslos aus, als sähe er sich selbst zu und wundere sich, was er hier will, vor Dieter Bohlen, dem Poptitanen. Er, der mit seiner Rockband „Empty Trash“ in wilden Kiez-Clubs wie dem Knaack oder dem SO 36 auftritt, der auf der Bühne raucht, trinkt und sich die Fingerkuppen an der Gitarre blutig spielt. Er, der Rocker wie „Audioslave“-Sänger Chris Cornell und „Queens of the Stone Age“ verehrt. Dem seine Freunde zum 18. Geburtstag eine feierlich angezündete Gitarre schenkten. Auf was hatte er sich eingelassen? Max möchte dazu nun nichts mehr sagen, er will seine Ruhe. Das Telefon hörte in den letzten Tagen nicht auf zu klingeln. „Er möchte Songs schreiben und warten, bis sich der Rummel gelegt hat“, sagt sein Vater, der Gitarrist Carl Carlton. Es sei Max nicht leicht gefallen auszusteigen. Wochenlang habe es in ihm gebrodelt. Am Ende siegte das Bauchgefühl. In einem Lied seiner Band singt Max: „Save me from the misunderstanding, I swear baby, it wasn’t my planning.“ Es geht um eine Frau, die er nicht verletzen will, aber doch verlassen muss, es geht um Zerrissenheit. So war er wohl auch hin und her gerissen, zwischen Max Buskohl, dem „DSDS“-Star, und Charlie Crawford – so heißt er in seiner Band. Er hat sich für Charlie Crawford entschieden. „DSDS“-Jurymitglied Heinz Henn sagte in der letzten Show zu ihm: „Man hat das Gefühl, du bist nicht mit dem Herzen dabei.“ Max Buskohls Herz schlägt eben im Takt des Punkrock.

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