Vogelgrippe : Bald auch in Afrika?

UN-Generalsekretär Kofi Annan wusste, wovon er sprach, als er vor einer möglichen Ausbreitung der Vogelgrippe in Afrika warnte.

Nairobi - «Ich komme selbst aus Ghana, einem Land, wo Familien mit ihren Tieren, Kindern mit Hühnern harmonisch zusammenleben», sagte er. Dieser Jahrhunderte alte Lebensstil werde jedoch von dem jüngsten Ausbruch der Vogelgrippe bedroht. «Es wird hart sein, aber wir müssen dieses Zusammenleben anders gestalten», fügte er hinzu.

In einem typischen afrikanischen Dorf laufen die Hühner ungehindert zwischen den Hütten herum und sind eine wichtige Investition, weil sie Eier und Fleisch liefern. Kaum ein Bauer, dem ein Huhn verendet, käme auf den Gedanken, den Behörden einen Vogelgrippeverdacht zu melden. Entweder ist er sich der Gefahr gar nicht bewusst, oder er muss fürchten, dass seine übrigen Tiere auch noch getötet werden.

Bislang wurde der aggressive Erreger H5N1 in Afrika noch nicht nachgewiesen. Doch Wissenschaftler warnen davor, dass Zugvögel auf der Reise in ihre Winterquartiere die Krankheit auf den Kontinent bringen könnten. Die jüngsten Ausbrüche der Vogelgrippe in Osteuropa deuteten darauf hin, dass Vögel auf ihrem Weg von Sibirien und der Mongolei die Krankheit verbreitet haben, heißt es etwa in einem Beitrag der Zeitschrift «Nature». Eine der Hauptrouten der Zugvögel führt nach Ostafrika. An den zahlreichen Seen des Großen Afrikanischen Grabens, der sich unter anderem durch Tansania und Kenia zieht, legen Zugvögel gerne Zwischenstopps ein.

Einige afrikanische Länder haben bereits Importverbote für Geflügel verhängt, doch die Sorge ist groß, dass die meisten von ihnen nicht angemessen auf die Gefahr reagieren können. Nur wenige sind überhaupt in der Lage, den Erreger per Test festzustellen. Viele Orte, die am Ufer der Seen liegen, sind nur schwer zu erreichen. Vor allem aber lassen sich kaum Massenschlachtungen von Vögeln organisieren, ohne zahlreiche Menschen noch tiefer in die Armut zu stoßen. Annan forderte zwar Entschädigungszahlungen für betroffene Bauern, äußerte sich aber auch nicht weiter dazu, woher das Geld dafür kommen solle.

Auf einer Konferenz über Tierseuchen in Kigali appellierten afrikanische Politiker in dieser Woche daher an die Geberländer, sie im Kampf gegen die Vogelgrippe zu unterstützen. «Die Vogelgrippe bedroht vor allem das Geflügel, das zu den wichtigsten Einkommensquellen auf dem Land zählt», sagte die Landwirtschaftsbeauftragte der Afrikanischen Union, Rosebud Kurwijila. «Es ist eine enorme Herausforderung für uns, aber mit politischem Willen und der Unterstützung unserer Partner können wir es schaffen.» (Von Ulrike Koltermann, dpa)

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