Welt : Von Hamburg nach Haiti

Pünktlich zum gefühlten Frühling beginnt Ende April in der Hansestadt die Internationale Gartenschau.

Hilke Segbers

Früher lockten die großen Gartenschauen in Hamburg die Besucher in die Mitte der Hansestadt – auf das 47 Hektar große Gelände Planten un Blomen. 1953, 1963 und 1973 wurde hier die Internationale Gartenbau-Ausstellung (IGA) veranstaltet. In diesem Jahr findet in Hamburg wieder eine große internationale Blumenschau statt: die Internationale Gartenschau (igs). Aber dieses Mal auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg. Dort, im Süden, ist doppelt so viel Platz wie inmitten der City. Am 26. April geht es los.

„In 80 Gärten um die Welt“ ist das Motto der igs – angelehnt an das berühmte Buch von Jules Verne. Rund eine Million Pflanzen werden auf dem Gelände zu bewundern sein. Lange kämpfte die Natur noch gegen die späten Fröste und den Schnee. „Natürlich hat uns das Wetter ein paar Wochen zurückgeworfen“, sagt Michael Langenstein, Pressesprecher der igs. „Aber es gab noch nie eine Gartenschau, die nicht zum geplanten Eröffnungstermin gestartet ist – und das wird auch bei uns nicht anders sein.“ Nach Ostern fing man an, rund 200 000 Frühjahrsblumen zu pflanzen. Und seit dem Herbst warten im Boden rund 500 000 Blumenzwiebeln auf wärmeres Wetter.

Rund 100 Hektar wurden in Hamburg-Wilhelmsburg neu gestaltet – hinein in eine typisch norddeutsche Marschlandschaft mit weiten Wiesen, Wildblumen und Wasserkanälen, Graureihern und Gänsen. Bis zum 13. Oktober sollen dort rund 7000 Events stattfinden. Wilhelmsburg gehört seit 1938 zu Hamburg, und zwar zum Bezirk Hamburg-Mitte. Das klingt zentraler, als es ist. Der Stadtteil liegt südlich des Innenstadtkerns mit Binnen- und Außenalster, ist lange nicht so chic, aber verkehrstechnisch gut angebunden. Umflossen wird er von Norder- und Süderelbe und besteht eigentlich aus mehreren Inseln. Das ist wegen der großen Straßen, der Hafenbecken und der weiten Industriegelände im Norden und Westen aber nur schwer wahrzunehmen. Nur im Süden und Osten ist das etwa 35 Quadratkilometer große Gebiet ländlicher.

Für die igs, die achte internationale Gartenschau in Hamburg seit 1869, mussten weite Flächen in Wilhelmsburg umgestaltet werden. Das war an sich gut für den jahrzehntelang eher vernachlässigten Stadtteil, mobilisierte aber immer wieder die Hamburger Naturschutzverbände. Sie kritisierten unter anderem, dass „städtische Spontannatur“, die auf stillgelegtem Hafen- und Bahngelände entstanden war, der Ausstellung weichen musste.

Doch nun sind die Bauarbeiten beendet, insgesamt von der Stadt Hamburg rund 70 Millionen Euro ausgegeben – es kann losgehen: Von der S-Bahn-Station Wilhelmsburg führt eine 130 Meter lange Brücke über die Gleise direkt zum Haupteingang der Gartenschau. Von dort läuft der Besucher an bunten Containern entlang zu kastenförmig angelegten Hafengärten. Zugeschnitten auf das Maß eines Standardcontainers oder gleich in umgebauten Containern arrangiert, thematisieren sie die Hafenstädte aus „In 80 Tagen um die Welt“,darunter London, Mumbai, Kalkutta, Singapur, Hongkong, Schanghai und San Francisco.

Ein typisches Hafenstadtthema ist natürlich Wasser. Im Geländebereich „Wasserwelten“ wollen die Veranstalter verdeutlichen, wo auf der Welt Wassermangel und Wasserüberfluss herrschen. Und es werden Phänomene wie Geysire, der Nebelwald, Sümpfe und eine Blaue Fata Morgana erklärt. In den „Naturwelten“ dagegen werden Visionen von der Natur der Zukunft vorgestellt: etwa fliegende Erdbeeren oder Gärtnern auf dem Mars.

Im Früh- und Hochsommer locken Rosen nach Hamburg. Im Herzen des Parkgeländes werden dann auf dem Rosenboulevard knapp 8000 Beet-, Edel- und Strauchrosen sowie Bodendecker blühen. Unter den 200 verschiedenen Sorten, die von 14 Gartenbaubetrieben aus Deutschland stammen, sind mehrere Dutzend Neuzüchtungen. Zwei davon wurden über einen Wettbewerb zur igs-Rose gekürt: die ,Elbjuwel’ in kräftigem Pink und die gelbrosa ,Sonnenwelt’. Auch vier Kleingartenvereine mit rund 250 Parzellen sind Teil der Gartenschau. Die Besitzer zeigen ihr Grün beispielsweise als südländischen Garten mit Oleander und Weinpflanzen, niederdeutschen Bauerngarten oder Meeresidylle mit Strandhafer. Klönen überm Gartenzaun ausdrücklich erwünscht.

Und auch an Regentagen kommen Besucher auf ihre Kosten: In der großen Blumenschauhalle und dem Blumenzelt am Haupteingang werden sich 26 Ausstellungen quer durch die Gartenthemen-Palette abwechseln. Die große Eröffnungsschau umfasst die halbe Welt; sie heißt „Von Hamburg nach Haiti“. Die Abschlussschau schließlich steht unter dem Motto „Goodbye, Johnny, warst mein bester Freund“. Ohne Hans Albers geht in Hamburg eben nichts – auch keine Gartenausstellung. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben