Welt : Vorgelesen: Helmuth Karasek über Malcolm Lowrys Roman "Unter dem Vulkan"

Einen Tag, den letzten Tag eines Säufers, schildert Malcolm Lowrys Roman "Unter dem Vulkan", an dem der Autor zwölf Jahre lang, von 1934 bis 1946, geschrieben hat, das "eigene Sucht-Inferno" durchforschend, wie Gabriele Wohmann bewundernd schrieb. Das Buch des Engländers, der zehn Jahre später, 1957, noch nicht 50 Jahre alt, einen traurigen Alkoholikertod starb - er nahm eine Überdosis Schlaftabletten -, gehört in die Reihe der großen Trinker-Konfessionen, wie sie auch Jack London oder Hans Fallada verfasst haben. In der Tat nennt Lowry seinen Roman "eine authentische Trinkergeschichte", sagt aber gleichzeitig: Das "Thema ist auch der Sturz des Menschen, seine Gewissensqual, sein unaufhörlicher Kampf für das Licht unter dem Gewicht des Vergangenen, sein Verhängnis."

Am Allerseelentag im todessüchtigen, todestrunkenen Mexiko erlebt der 42-jährige Ex-Konsul Geoffry Firmin seinen letzten Tag, in einer Art Endstation, in der Stadt Quanhnahnac, in einer abgeschiedenen Gegend, vor den Höllenschlunden der Vulkane und der Tristesse der cantinas in der dürren Einöde. Das Buch beschreibt (sich bewusst an Dantes "Inferno" und an Gogols "Tote Seelen" anlehnend), wie der endgültig stürzende Trinker seine Vergangenheit zu rekapitulieren versucht, die Tatsache, dass er für die Rettungversuche seiner Frau und seines Bruders unzugänglich geworden ist - um schließlich die letzte Hürde zu überschreiten: die zum Mescal. Lowrys Roman ist 1984 von John Huston verfilmt worden.

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