Welt : Vorgetäuschte Trauer - Betrüger machen Geschäfte mit der Katastrophe

Christoph Link

"Nur für Angehörige" steht auf einem extra-Abfertigungsschalter der Kenya Airways im Flughafen von Abidjan. Nach dem Absturz eines Airbusses vor drei Wochen hat sich die Fluggesellschaft alle Mühe gegeben, wenigstens mit einer guten Betreuung der Angehörigen der 169 Todesopfer den Imageschaden in Grenzen zu halten. Freiflüge für zwei Angehörige nach Abidjan zur Identifizierung der Opfer, dort Unterbringung im Luxushotel "Ivoire" und 30 US-Dollar Tagegeld waren selbstverständlich. In Westafrika hat sich diese Vorzugsbehandlung offenbar rasch herumgesprochen. Wie die "Sunday Nationy" in Nairobi berichtet, mischten sich unter die Angehörigen aus 28 Nationen zahlreiche Schwindler. Ein junger Liberianer tauchte im "Ivoire" auf, und gab an, er sei mit dem Bus von Monrovia gekommen und wolle die Leiche seines Bruders abholen. Der Liberianer konnte zwar den Namen seines Bruders nicht angeben, aber forderte dennoch Unterbringung im Hotel und die Erstattung seiner Fahrtkosten.

Noch dreister war die Vorstellung des Nigerianers Tony, der sich als Überlebender ausgab und behauptete, er sei zwei Stunden im kalten Wasser geschwommen, bevor ihn Fischer aus dem Atlantik zogen. Ständige "Lobet-den-Herren"-Rufe unterbrachen Tonys Rede, erst als man ihm vorhielt, sein Name sei gar nicht auf der Passagierliste, wurde er aufgeregt. Sein Nachname sei schwer zu schreiben, sagte Tony, und gab schließlich vier verschiedene Namen an.

Das Hotel war mit 800 Gästen gut belegt und wurde in den letzten Wochen Magnet für Betrüger und Prostituierte. Taxifahrer stellten Angehörigen Rechnungen für Fahrten zur Leichenhalle aus, obwohl diese bereits von der Fluggesellschaft bezahlt waren. Betrüger verlangten von Hinterbliebenen bis zu 500 Dollar Gebühren zur schnelleren Überführung der Toten. Andererseits nutzen Angehörige offenbar das Recht zum kostenlosen Telefonieren derart aus, dass einige Hotelzimmer zu kommerziellen Telefonbüros umfunktioniert wurden, bis die tägliche Freitelefoniererei auf fünf Minuten beschränkt wurde. Prostitution wird im "Ivoire" eigendlich nicht geduldet, zahlreiche Angehörige beharrten jedoch auf körperlichem Trost. "Ein Afrikaner trauert nicht alleine", erklärte ein Gast bevor er sein Tagesgeld im horizontalen Gewerbe investierte.

Die meisten der Unglücksopfer waren Nigerianer, die auf Shopping-Tour im arabischen Einkaufsparadies Dubai gewesen waren und über Nairobi zurück in die Heimat fliegen wollten. Auch unter den zehn Überlebenden waren einige Nigerianer und auch ihr Verhalten wird in Kenia derzeit äußerst kritisch diskutiert. So soll ein 25-jähriger Nigerianer noch im Krankenhaus von Kenyan Airways ein Handy verlangt haben, um seine Geschäfte fortzusetzen, außerdem verlangte er einen Ersatz für seine verlorene Rolex-Uhr aus Gold, einen goldenen Rosenkranz und andere Juwelen. Auf die Frage nach der Art seiner Geschäfte musste der junge Mann passen, und gab an, er beabsichtige demnächst in den USA zu studieren, außerdem wolle er Sommerurlaub in Europa machen.

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