Waldbrände : Herren des Feuers

Es sind die gleichen Bilder wie in jedem Jahr: Riesige Gebiete Kaliforniens brennen. Geschützt werden aber nur die Städte, die Wälder bleiben sich selbst überlassen.

Roland Knauer
Waldbrände in Kalifornien
Der Kampf gegen die Flammen ist jedes Jahr ein Risiko. -Foto: dpa

Knisternd springen die Flammen in den ausgetrockneten Wäldern und Buschlandschaften Kaliforniens weiter, finden in jedem abgebrochenen Ast oder einem dürren Zweig rasch neue Nahrung. Ganze Bergrücken und Täler brennen und glimmen. Von der Feuerwehr aber ist weit und breit nichts zu sehen. Dabei hat der US-Bundesstaat erst im Oktober 2007 verheerende Waldbrände erlebt, Hunderttausende flohen damals vor den Flammen. Trotzdem hält sich die Feuerwehr bei vielen Buschbränden mit guten Gründen zurück, erklärt Johann Goldammer vom Global Fire Monitoring Center (GFMC) im badischen Freiburg. Dieses Zentrum beobachtet das Waldbrandgeschehen auf der ganzen Welt, analysiert Ursachen und Zusammenhänge und entwirft Strategien. „Bestimmte Vegetationsformen in Kalifornien und in vielen anderen Ländern vertragen Bodenbrände gut, die alle zehn oder zwanzig Jahre durch das Buschland oder den Wald fegen“, erklärt der Forscher, der von Deutschland aus die Vorbereitung auf Waldbrandbekämpfung in aller Welt koordiniert.

Entzündet ein Blitz dort den Waldboden, brennen tote Äste und Zweige aus den letzten Jahren und vertrocknete Kräuter einfach ab, später löscht der nächste Regenschauer die Flammen wieder. Fehlen diese regelmäßigen Feuer, sammelt sich am Waldboden immer mehr brennbares Material. Kommt es dann nach 80 oder 100 Jahren doch zu einem Feuer, findet der Waldbrand viel mehr Nahrung und wandelt sich rasch zum lodernden Inferno, das die gesamte Vegetation zu vernichten droht, und gegen das dann auch die Feuerwehr nicht mehr viel ausrichten kann.

Solange jetzt die regelmäßigen Feuer keine Menschenleben oder Hab und Gut der Einwohner der Region bedrohen, lässt die Feuerwehr sie daher oft brennen. Dem Wald selbst macht das wenig, weil er von Natur aus gegen solche Feuer gewappnet ist. So haben die Bäume in Regionen mit häufigen Bränden eine dickere Borke, die das empfindliche Innere des Stamms vor der gefährlichen Hitze schützt. Kräuter und andere Stauden brennen zwar oft bis zum Boden ab, treiben aber nach dem Feuer aus ihren unterirdischen Teilen wieder nach, denen ein kleineres Buschfeuer wenig anhaben kann.

Viele Pflanzen sind auf regelmäßige Feuer sogar angewiesen, weil ihre Samen nur nach größerer Hitze keimen. Auch die riesigen Mammutbäume Kaliforniens lassen ihre Samen erst dann fallen, wenn vorher ein Waldbrand über den Boden gefegt ist und so Platz für die keimenden Bäume geschaffen hat. Sich bequem zurücklehnen und Buschfeuer Buschfeuer sein lassen aber können auch die Waldbrand-erprobten Feuerwehrleute Kaliforniens nicht. Je länger eine Trockenheit anhält, um so mehr brennbares Material sammelt sich am Waldboden an und umso heftiger lodern die Flammen nach einem Blitzeinschlag oder einer weggeworfenen Zigarette. Nach vielen Wochen ohne Niederschlag wird dann zum Beispiel im Herbst ein Waldbrand bekämpft, der im Frühsommer noch ohne Einsatz von selbst ausgegangen wäre.

Vielleicht sind die Waldbrände ja auch ein Grund, aus dem Kalifornien schon längst viel energischer gegen den Klimawandel vorgeht als das Weiße Haus in Washington. Denn der Gouverneur des Landes, Arnold Schwarzenegger, kennt die Zahlen sehr gut, nach denen sich allein in den letzten zehn Jahren die alljährliche Feuersaison in Kalifornien um zwanzig Tage verlängert hat. Ein direkter Zusammenhang mit dem Klimawandel lässt sich zwar kaum direkt beweisen, liegt aber nahe.

Aber nicht nur die Buschfeuer treten inzwischen häufiger auf, auch die bedrohten Sachwerte wachsen Jahr für Jahr. Wer Geld hat, kauft sich eine Ranch im Sonnenstaat Kalifornien und baut sie teuer aus. Neue Unternehmen schießen im Hinterland aus dem Boden, alles könnte ein Raub der Flammen werden. „Feuer werden immer gefährlicher, die Menschheit wird zunehmend anfälliger für die Flammen“, sagt Johann Goldammer.

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