Welt : Walküre der Arbeitslosen

Wer ist die Frau neben Henrico Frank? Brigitte Vallenthin. Sie redet für ihn. Und sagt für ihn Termine ab

Marion Mück-Raab[Wiesbaden]

Henrico Frank gibt keine Interviews mehr. Er sagt nichts, er lässt sich fotografieren und steht stumm neben einer Frau, die fortan für ihn spricht. Wer aber ist diese walkürenhafte Frau, die vor den Kameras der Republik ihren großen Auftritt absolviert? Brigitte Vallenthin. Brigitte Vallenthin zeichnet ihre Erklärungen neuerdings mit „Management für Henrico Frank“. In der linken Szene Wiesbadens ist sie eine berühmte Person. Dort gründete sie in diesem Jahr die Hartz-IV-Plattform. Das ist ein Verein, der sich wöchentlich im alternativen „Café Klatsch“ trifft und dessen Vorsitzende sie ist.

Nicht nur dort hat sie die Zügel fest in der Hand. Auch beim „Management von Henrico Frank“ kommt keiner mehr an ihr vorbei. Sie spricht für ihn, trifft Entscheidungen für ihn, vereinbart Termine für ihn. Manchmal sagt sie auch einen medienwirksam ab. Zum Beispiel den für den gestrigen Dienstag. Ministerpräsident Kurt Beck hatte Henrico Frank in die Mainzer Staatskanzlei eingeladen, um ihm dort acht Jobangebote zu unterbreiten. Per E-Mail dankte sie dem „sehr geehrten Herrn Beck“ und teilte mit, erst im neuen Jahr in der Staatskanzlei vorstellig zu werden. Nun ärgert sich das Land über „Deutschlands frechsten Arbeitslosen“ („Bild“). Dass eine kleine politische Aktion solche Folgen haben wird, hätte sich Henrico Frank vor zwei Wochen bestimmt nicht träumen lassen. Die Geschichte ist zum Selbstläufer geworden und längst scheint Henrico Frank zum Spielball anderer Kräfte geworden zu sein. Zunächst war es nur so eine Idee gewesen. „Henne“, wie ihn alle nennen, wollte mit zwei Freunden Kurt Beck auf dem Weihnachtsmarkt den Auftritt vermasseln. Das war die Zeit, als Henrico Frank noch selbst für sich gesprochen hat. Aber dann nahm die Sache ihren Lauf. Nachdem Kurt Beck seinen berühmten Satz mit dem Waschen und Rasieren gesagt hatte, vereinbarte ein Fotograf für Frank einen Termin beim Friseur. Der schnitt ihm die Haare ab, seifte ihn ordentlich ein und rasierte ihn gründlich. „Wie ein Weltmeister hat der junge Mann fotografiert“, erzählt der Friseur, der von der Fotosession überrascht wurde. Frank selbst habe fast gar nicht gesprochen, sich nur brav hingesetzt. Die Rechnung habe der Fotograf bezahlt, sagte der Friseur. Gehorsam präsentierte sich Frank anschließend der Öffentlichkeit – die auf die neue Provokation einstieg.

Als Nächstes nutzte Frau Vallenthin die Gunst der Stunde. In einer selbst verfassten Presseerklärung verurteilte sie „zutiefst das Verhalten des SPD-Vorsitzenden und ebenso die parteitaktischen Spielchen der anderen Parteien“ und lud zum Pressegespräch ein. Für dieses Pressegespräch drapierte sie sich vor ihrem Haus in Wiesbaden. Am nächsten Tag übernahm sie das Ruder ganz: Henrico Frank, teilte sie mit, stünde für Interviews nicht mehr zur Verfügung. Als Grund dafür gab sie die „unseriöse Medienberichterstattung“, gar „Drohungen einzelner Presseorgane“, an. Wer noch Fragen an Henrico Frank hat, muss sich an sie wenden.

„Henne“, so sagen Freunde von ihm, habe gar nichts mehr zu sagen. Er verstecke sich vor den Medien, sei völlig überfordert. Viele hätten ihm geraten, sich von seiner Beraterin zu trennen, die offenbar für ihren Verein Kapital aus der Geschichte schlagen wolle. Henne merke gar nicht, wie man ihm schade. Das sehen nicht nur Leute aus seinem Umfeld so. Aber Kritik an Brigitte Vallenthin, die schon in verschiedenen linken Gruppen für Unruhe gesorgt haben soll, äußert man hier lieber nur hinter vorgehaltener Hand. Denn Vallenthin gilt in der linken Szene Wiesbadens als anstrengend. Nur der DGB-Wiesbaden lässt sich zitieren: Hinter dem ganzen Rummel stecke die reine Profilierungssucht, sagt Gewerkschaftssprecher Frank Huber. Weder Henrico Frank noch einem anderen Arbeitslosen sei damit geholfen.

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