Welt : Warnung vor dem Domino-Effekt

Es sind nicht nur Leichtsinn, Rowdytum und Raserei, die im Winter zu Massenkarambolagen führen

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Für die Autofahrer, die am Dienstagmorgen auf den Autobahnen rund um München unterwegs waren, war es ein Albtraum. Ohne jede Vorwarnung sahen sie sich plötzlich in Nebel gehüllt. Viele bremsten erschrocken, viele gingen sofort wieder von der Bremse runter, weil sie hinter sich ein Fahrzeug sahen. Mehr als 100 Autos kollidierten schließlich wie bei einem Dominoeffekt.

Die Polizei wies wie immer in solchen Fällen darauf hin, dass nicht angepasste Geschwindigkeit die Ursache für die Massenkarambolage war, dass also einige Fahrer zu schnell fuhren.

Experten haben jetzt auf einen anderen gefährlichen Umstand hingewiesen, der die Fahrer vom Generalverdacht des Rowdytums etwas entlastet.

Der Autofahrerclub ARBÖ in Österreich, die Schwesterorganisation des ADAC, warnte vor einem gefährlichen „Sog-Effekt“ im Nebel: „Man klammert sich förmlich an die Rücklichter des voranfahrenden Autos, um nicht die Orientierung zu verlieren“, beschreibt Lydia Ninz, Sprecherin des Clubs, den Effekt. „Man fährt zu dicht auf, der Fahrer des vorderen Fahrzeuges fühlt sich bedrängt und beschleunigt, oft unbewusst. Am Ende sind dann beide zu schnell, nachfolgende Fahrzeuge ebenfalls.“ Die Ursache ist also nicht der Wunsch zu rasen, sondern Angst, in einer unübersichtlichen Situation von hinten überrollt zu werden. Diese Mischung aus panischem Bremsen und panischem Beschleunigen mitten in einer Nebelbank führt schließlich zu einer Karambolage. Überhöhte Geschwindigkeit sei in Nebelgebieten umso gefährlicher, als sich der Bremsweg auf der nassen Fahrbahn um 40 Prozent verlängert. Der ARBÖ hat bei der Analyse eines Serienunfalles zudem ein Muster festgestellt: Jeweils vier bis fünf Fahrer in Folge reagierten demnach rechtzeitig und brachten ihr Fahrzeug zum Stehen. „Dann kam aber immer ein Lenker, der zu wenig Abstand hielt oder wegen Unaufmerksamkeit nicht mehr bremsen konnte und die vor ihm stehenden Fahrzeuge zusammenschob“, sagte Ninz. Man könne bei einem Serienunfall daher nicht allen Fahrern den Vorwurf der Raserei machen: „Wenn nur jeder Fünfte unaufmerksam ist oder riskant fährt, kann das zu Massenunfällen führen.“ Tsp/dpa

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