Welt : Wege zur Demokratie

Auf Youtube.com kann jeder das Handyvideo über Saddams Hinrichtung sehen. Es wird nicht entfernt

Kurt Sagatz

Es ist erschreckend simpel, mit wie wenig Aufwand man diesen Horrorfilm auf der Internet-Seite der Videocommunity Youtube.com findet. Der Name des ehemaligen irakischen Diktators und der englische Name für den Begriff „Hinrichtung“ reichen aus, um eine wiederum erschreckend lange Trefferliste auf dem Monitor zu sehen. Die meisten Filme landeten am vergangenen Samstag direkt nach den ersten Fernsehberichten über die Exekution von Saddam Hussein im Internet. Es sind Mitschnitte von Fernsehsendern aus allen Teilen der Welt, häufig unterlegt von den farbigen Laufbändern, wie sie CNN oder Al Dschasira benutzen. Inmitten dieser Bilder, die am Wochenende weltweit die TV-Nachrichten dominierten, befinden sich jedoch einige, denen man sofort ansieht, das hier anderes und vor allem mehr gezeigt wird als im Fernsehen.

Der erste Blick des verwackelten Handyvideos mit seinen größtenteils schemenhaften Aufnahmen zeigt den Schatten eines Mannes neben dem Geländer einer schmucklosen Eisentreppe. Ein kurzer Schwenk nach oben und ins Bild kommt die Empore, auf der eine Gruppe von Männern steht. In ihrer Mitte: Saddam Hussein, im dunklen Mantel, wie er an die Falltür herangeführt wird, den Strick um den Hals gelegt bekommt. Doch schlimmer noch: Man sieht und hört, was danach geschieht, als in den TV-Beiträgen längst der Schnitt gesetzt wurde.

Beim deutschen Youtube-Konkurrenten Myvideo.de wurde das Hinrichtungsvideo am Neujahrstag entfernt. „Nachdem wir von unseren Usern über das Video informiert worden waren, haben wir sehr schnell entschieden, dass dieser Film vom Server genommen wird“, erklärte Christian Vollmann. Der Geschäftsführer des Unternehmens Magic Internet, das MyVideo in Deutschland betreut, begründete dies damit, dass die Szenen unter anderem nicht mit dem deutschen Jugendschutz vereinbar seien. Zudem widersprächen sie den Regeln der Videocommunity. Die wichtigsten lauten: keine Pornografie, keine Gewaltverherrlichung und auch keine anderen jugendgefährdenden oder anderen illegalen Inhalte zeigen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der veröffentlichten Videos halten sich Verstöße gegen die Regeln und Gesetze in Grenzen, sagt Vollmann. Probleme bereiten zudem eher Sex-Filmchen, so genannte „Snuff-Videos“ (siehe Kasten) hat es bei der deutschen Community noch nicht gegeben. Dass die Betreiber von Videogemeinschaften Filme aus dem Netz nehmen, die nicht den eigenen Regeln oder den Gesetzen entsprechen, ist keine Ausnahme. Als die hessische Landesgruppe der NPD mit Hilfe eines Videofilmes für ihre rechtsextremen Ansichten werben wollte, wurde der Film in Deutschland wie auch in den USA nach Nutzerprotesten vom Netz genommen. In anderen Fällen unterschied sich jedoch auch schon in der Vergangenheit das Vorgehen der verschiedenen Portale. Während die deutschen Betreiber die Videos des Schulattentäters aus Emsdetten wiederum nach Nutzermeldungen verbannten, blieben die teilweise verstörenden Filme bei Youtube online.

Doch gerade bei den auf youtube.com aufgetauchten Bildern von der Saddam-Hinrichtung stellt sich die Frage, ob im Internet tatsächlich alles gezeigt werden soll, was sich gerade noch unterhalb der Schwelle des gesetzlich Verbotenen befindet. Ein Grund, dass das Video von Saddams Henkern weiterhin verfügbar ist, könnte darin zu sehen sein, dass US-Präsident George W. Bush die Hinrichtung als „Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak“ bezeichnet hat. So gesehen muss man sich nicht wundern, dass die Handy-Hinrichtung bei Youtube auf Klickraten von bis zu über 260 000 Abrufen für die verschiedenen Schnittversionen des Filmes kommt.

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