Weihnachten im Weißen Haus : Unter den Christbäumen der Obamas

Zu Gast bei der Weihnachtsfeier des US-Präsidenten: Unser Korrespondent flaniert durchs Weiße Haus.

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So sieht's bei Obamas an Weihnachten aus - besser gesagt: im Weißen Haus. Da gibt es nicht nur eine gute Stube, sondern gleich mehrere festlich geschmückte Salons. Und in allen steht mindestens ein Weihnachtsbaum.Alle Bilder anzeigen
Foto: cvm
22.12.2011 09:04So sieht's bei Obamas an Weihnachten aus - besser gesagt: im Weißen Haus. Da gibt es nicht nur eine gute Stube, sondern gleich...

Die Atmosphäre erinnert ein wenig an die Märchen, in denen es einfacher Leute Kinder unversehens in den Palast verschlägt. Die Wände der rund fünf Meter hohen Räume sind mit edlen Stoffen bespannt, sie geben den Räumen ihre Namen: roter, grüner, blauer Salon. Und jetzt, zur Weihnachtszeit, steht in jedem Raum mindestens ein Christbaum, einer prächtiger geschmückt als der andere. Zwischen ihnen flanieren Menschen mit neugierigen Blicken, für die diese Kulisse offensichtlich nicht zum Alltag gehört.

In den beiden Sälen am Ost- und am Westende des Palasts stehen sogar je vier Bäume. Im East Room rahmen sie das Ölgemälde George Washingtons ein, im State Dining Room im Westen das Porträt des Mannes, der den Aufstieg der aktuellen Bewohner erst möglich gemacht hat: Abraham Lincoln. Er führte die USA durch den Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten und beendete die Sklaverei. Die Wahl des ersten schwarzen Präsidenten, Barack Obama, war die Krönung des von Lincoln eingeleiteten Emanzipationsprozesses.

Bei Prunk und Repräsentation können es die USA mit vielen Monarchien aufnehmen. Im Weißen Haus werden die Gäste freilich auf Schritt und Tritt daran erinnert, dass dies der Palast einer Demokratie ist und Macht nur für begrenzte Zeit verliehen wird. Die Vielzahl der Christbäume dient nicht der Erbauung der First Family. Dies sind die Weihnachtsbäume für die ganze Nation. Auch ein Teil des Schmucks kommt von den Bürgern. Der Baum im Blue Room ist dicht mit Grußkarten behängt, die Kinder den Obamas geschickt haben. Viele sind bunt bemalt. „God bless Amarica“, steht in ungelenker Schrift auf einer. „I love my Mom“ auf einer anderen.

Die USA empfinden sich als „christliche Nation“. Das Entzünden der (elektrischen) Kerzen des „National Christmas Tree“ auf der Südwiese Anfang Dezember wird im Fernsehen übertragen. Die Wochen vor Weihnachten sind eine Saison mit besonders hoher Gästezahl. Natürlich bekommt nur ein kleiner Bruchteil der 310 Millionen Einwohner die Ehre einer Einladung. Stellvertretend für ganze Berufs- und Bevölkerungsgruppen lädt die First Family zu Weihnachtsfeiern für Militärfamilien, für Kinder, für Künstler, für Bürger mit Ehrenämtern – und für die im Weißen Haus akkreditierten Journalisten. Knapp 400 Gäste sind es an diesem Abend, darunter ein gutes Dutzend Ausländer, einer davon aus Deutschland.

Vier Wochen vorher war die Einladung gekommen, samt der Bitte, genaue Angaben zur eigenen Person und der Begleitung zu machen. Sicherheit wird groß geschrieben rund um Amerikas vornehmste Adresse. An zwei Checkpoints auf dem Weg zum Osteingang von 1600 Pennsylvania Ave. NW werden die Ausweise mit der Gästeliste abgeglichen. Dann empfängt Lichterglanz die Gäste im Foyer – und ein Tisch mit leeren Weihnachtskarten. Amerika hat rund um die Erde Soldaten im Einsatz. Wer hier feiert, wird gebeten, ein paar Worte an sie zu richten. Das Weiße Haus versendet die Festtagsgrüße an die Truppen.

Die individuelle Note der Obamas ist dezent, aber unübersehbar. Vielerorts springen den Gästen schwarze Hundefiguren aus Stoffknäueln und anderen Materialien entgegen: unverkennbar Bo, der Portugese Waterdog der Obamas. Er wacht auch vor dem aus weißer Schokolade geformten Modell des Weißen Hauses im State Dining Room.

Mitunter blicken Gäste verstohlen auf die Uhr. Bei der Ankunft bekam jeder ein Kärtchen in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, sich zur aufgedruckten Uhrzeit vor einer gewissen Tür einzufinden. Der Präsident trägt einen dunklen Anzug, die First Lady ein silberweißes, schulterfreies Kleid. Sie lassen sich nicht anmerken, dass sie bei diesen Empfängen Fließbandarbeit verrichten. Barack Obama wünscht mit festem Handschlag „Happy Holidays“ – der neutrale Gruß verdeutlicht, dass Amerika nicht nur eine Nation von Christen, sondern auch von Juden, Muslimen, Hindus und anderen Religionen ist. Michelle Obamas Händedruck ist weicher. „Wir sind so glücklich, dass Sie mit uns feiern können“, versichert sie jedem Gast mit einem warmen Lächeln. Dann blitzt es zweimal. Die Obamas machen ihren Gästen das Geschenk eines gemeinsamen Fotos.

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