Welt : Weiße Flocken in Athen

Gerd Höhler

Der Osten und Südosten Europas sind Weiß gehüllt, Kälte und Schnee sind bis zum Mittelmeer vorgedrungen. Nach einigen milden Tagen um den Jahreswechsel kehrte am Freitag der Winter nach Griechenland zurück. Zum ersten Mal seit zehn Jahren herrschte in der Hauptstadt Athen dichtes Schneetreiben. In höher gelegenen Stadtteilen wurden bis zu 30 Zentimeter Neuschnee gemessen. Der Villenvorort Kifissia war nur mit Schneeketten zu erreichen. Viele Buslinien und die S-Bahn mussten ihren Verkehr zeitweilig einstellen. Auf dem Athener Flughafen gab es wegen des Schneetreibens zahlreiche Verspätungen. Chaotische Verhältnisse herrschten auch auf der Autobahn, die Athen mit dem nordgriechischen Thessaloniki verbindet. Wegen stürmischer Winde wurden die Fährverbindungen zu den Ägäisinseln eingestellt. Nach heftigen Schneefällen wurde auf der Insel Euböa der Ausnahmezustand ausgerufen.

Auch in Istanbul sorgten Schneestürme für ein Verkehrschaos. Die beiden Brücken über den Bosporus mussten wegen Glätte gesperrt werden. Viele Autofahrer ließen ihre Fahrzeuge stehen und gingen zu Fuß über die 1,5 Kilometer langen Brücken, die Asien mit Europa verbinden. Auch der Istanbuler Flughafen wurde geschlossen. In der Innenstadt lagen 20 Zentimeter Schnee. Schulen und Universitäten blieben geschlossen. Die Istanbuler Börse konnte nicht eröffnen, weil nur zwei Angestellte zur Arbeit kamen. Zum ersten Mal seit 30 Jahren schneite es auch in der westtürkischen Hafenstadt Izmir. Verkehrte Winterwelt auch in Italien: Während die Skigebiete in den Alpen bei beißender Kälte auf Schnee warten, lagen Bari und Taranto an der südlichen Adriaküste unter einer weißen Decke. In Polen, Rumänien, der Slowakei, der Ukraine und Bulgarien waren bei Temperaturen bis weit unter minus 20 Grad zahlreiche Gemeinden ohne Strom und Wasserversorgung. Hunderte von Dörfern waren in diesen Ländern von der Außenwelt abgeschnitten.

Auch in Teilen Deutschlands ist dieser Winter außergewöhnlich. Am Funtensee im Berchtesgadener Land wurden minus 37,5 Grad, im sächsischen Morgenröthe-Rautenkranz minus 27 Grad gemessen. Die anhaltend geschlossene Schneedecke in der Mitte Deutschlands ist nach Einschätzung von Meteorologen ebenfalls ungewöhnlich. Der größte Binnensee, die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, ist zugefroren.

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