Weißrussland : Lukaschenko sperrt Rammstein aus

"Gewalt, Masochismus, Pornografie" – die Moralwächter des Diktators Lukaschenko sind schockiert und verbieten ein Konzert.

Knut Krohn
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Im Visier. Die deutsche Band Rammstein. -Foto: dpa

In Weißrussland gibt es einen „Gesellschaftlichen Rat für Sittlichkeit“. Diese Wächter der Moral achten im Namen des despotischen Präsidenten Aleksander Lukaschenko peinlich darauf, dass die Kunstschaffenden und die Bevölkerung nicht auf dumme Ideen kommen.

Deshalb wird das für den 7. März in Minsk geplante Konzert der deutschen Band Rammstein nicht stattfinden. Sie wurde zum Staatsfeind Weißrusslands erklärt. Die Musiker würden „die weißrussische Staatsordnung zerstören“, erklärte der Rat. Die Rammstein-Lieder seien Propaganda für „Gewalt, Masochismus, Homosexualität und andere Abartigkeiten“, die sich gegen weißrussische Werte richteten, hieß es. „Man hat uns Bilder eines der Rammstein-Konzerte gezeigt. Das, was wir gesehen haben, passt in keinen Rahmen“, sagte gestern der Schriftsteller Nikolai Tschernigez. Er ist honoriges Mitglied des Gremiums, das sich aus Vertretern aller Konfessionen des Landes sowie aus staatstreuen Schriftstellern, Forschern, Schauspielern und Sportlern zusammensetzt. Rammstein zeige während des Konzerts „pornografische und gewalttätige Szenen“. Auch gegen die Texte erheben die weißrussischen Moralschützer vehement Einwände. „In einem Lied, dessen Übersetzung ich auf meinem Tisch liegen habe, geht es um die Größe der Geschlechtsorgane“, sagte Tschernigez mit Abscheu und Entsetzen.

In Fragen der Moral entdeckte der Schriftsteller dann überraschende Gemeinsamkeiten mit den verhassten USA. „Amerika hat ein gutes Beispiel gegeben, wie man diese Band behandeln muss“, erklärte Tschernigez freimütig. „Dort haben die Rammstein-Musiker im Gefängnis gesessen.“ Der Mann ist gut informiert, denn vor zehn Jahren hatten Frontsänger Till Lindemann und Gitarrist Richard Kruspe in den USA auf der Bühne gestanden und beim Titel „Bück dich“ zur Verdeutlichung des Textes noch unzüchtige Bewegungen vollführt. Im puritanischen Amerika hatte der Richter kein Einsehen. Die sechs Monate Haft wurden allerdings auf Bewährung ausgesetzt, die Musiker mussten 100 Dollar Strafe zahlen. In Deutschland gehen die Behörden nicht ganz so weit. Aber die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat das jüngste Album „Liebe ist für alle da“ auf den Index gesetzt. Es darf nicht an Minderjährige verkauft werden.

Lukaschenko gilt als letzter Diktator Europas. Unlängst wurde die Kontrolle über das Internet verschärft und damit nach Meinung von Menschenrechtlern eine Zensur eingeführt. Auch Satellitenschüsseln zum Empfang ausländischer TV-Sender wurden verboten.

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