Welt : Wenn Spanien Schule macht

Ralph Schulze[Madrid]

Europas Zukunft liegt in dem kleinen spanischen Bauerndorf Aren am Fuß der Pyrenäen. Dort wurden in der Schule die Bücher und Diktathefte verbannt. Künftig büffeln die Kinder in der Schulbank und zu Hause nur noch mit dem Tablet PC, eine Mischung aus Laptop und digitaler Schreibtafel. Sie schicken die Hausaufgaben drahtlos per Mausklick zum Computer ihres Lehrers und surfen auf der Suche nach Wissen durchs Internet. Natürlich wird auch, wie in jeder normalen Schule, gemogelt und abgeschrieben – dank regem E-Mail-Austausch unter den Schülern und der Computer-Funktion „Kopieren“. „Wenigstens schlafen sie jetzt nicht mehr in der Klasse“, freuen sich die Lehrer in der Dorfschule. Die Direktorin Maria Jesus Otal registriert zufrieden, dass die Kinder plötzlich mehr bei der Sache sind.

Antonio, einer der verantwortlichen Pädagogen, glaubt, dass dieses computergestützte Unterrichtsmodell bald die ganze Welt beglücken könnte. Im Internet gebe es halt viel mehr Informationen als in jedem Schulbuch. Es sei heutzutage viel besser, den Kindern beizubringen, wo sie in der unendlichen Datenwelt schnell jenen Wissensstoff finden können, den sie wirklich brauchen, als sie weiterhin zu zwingen, Fakten und Daten „ohne Sinn“ einzupauken.

Und noch einen Vorteil hat das Ganze: Die Schultasche der 28 Schüler zwischen neun und zwölf Jahren, die an dem Pilotexperiment teilnehmen, wird dank der elektronischen Revolution merklich leichter. Statt sich mit gleich mehreren Schulbüchern, Schreibheften und Mäppchen abzuschleppen, müssen sie nur noch den keine zwei Kilo schweren Tablet PC einpacken. Auf dessen Bildschirm können sie übrigens mit einem Spezialstift auch ohne Tastatur schreiben.

Das sei „die Schule der Zukunft“, lobt Alberto Larraz, Erziehungsminister in der nordspanischen Pyrenäenregion Aragon, die den Einstieg ins bücherlose Zeitalter mit der Unterstützung von zwei großen Computer-Konzernen anleierte. Die Schüler machen begeistert mit. Der neunjährige Cristian etwa weiß inzwischen genau, wie er in Sekunden dank der Internet-Suchmaschine Google zum gewünschten Wissensziel kommt. Sein Schulkamerad Pablo schätzt etwas anderes an der digitalen Revolution im 400-Seelendorf Aren: Jetzt könne er sich endlich seinen Traum erfüllen und durch die ganze Welt reisen – und sei es auch nur auf dem Bildschirm.

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