Auf der Sonnenseite (1) : Unsere Australienkolumne: The Beginning

Julius Wolf flog vorige Woche nach Australien und war von der Begrüßung und der Kälte überrascht. Und von dem betrunkenen Mädchen, das gleich an ihm rumfummelte.

Julius Wolf[Melbourne]
Julius
Gute Reise, Julius! Das ist unser Mann in Australien.Foto: privat

Endlich stehe ich vor dem Flughafen. Ich habe 28 Stunden Horrorflug hinter mir. Endlich gutes Wetter? Denkste. Es ist frostig. Man fliegt einmal rund um die Welt nach Australien, denkt, man entkommt dem deutschen Winter und was ist? 12 Grad und eiskalter Wind.
 
Um mich rum stehen andere Backpacker. Man sieht ihnen die Überraschung an. Wir frieren zusammen. Viele sprechen deutsch. Einige holländisch und ganz wenige französisch. Es ist fast so, als ob das ganze Flugzeug voll mit Backpackern war. Kein Wunder. Allein aus Deutschland kommen jedes Jahr 85000 Menschen nach Australien. Die Verständigungsschwierigkeiten werden sich also in Grenzen halten. Eigentlich hatte ich mich auf Hand-Fuss-Kommunikation eingestellt. Aber selbst mit Australiern ist das kein Problem.

Die Taxifahrer nennen uns "Troublemaker". Wie nett

Man muss nur freundlich fragen und schon sprechen sie langsamer, verständlicher. Bevor ich hierher gekommen bin, hieß es, dass die Australier so langsam genervt sind von den „Troublemakern“. So werden die Backpacker hier genannt. Das fühlt sich bei der Ankunft ganz anders an. Taxifahrer stürmen auf uns zu. „You need a ride, mate? Can I take your bag?“ Mate? Das hatte ich nicht im Englischunterricht, mate heißt Kumpel, Typ, mate heißt irgendwie alles.

Nach 28 Stunden Flug denke ich mir, dass eine Busfahrt nicht mehr sein muss. Also los, rein ins Taxi und ab ins Jugendhotel und pennen. Auf der Internetseite meines Hotels war von 45 Dollar für die Taxifahrt die Rede. Gezahlt habe ich 90, ungefähr 40 Euro. Taxifahrer sind überall gleich. Egal. Immerhin habe ich die Lektion gleich zu Beginn gelernt. Ich bin eigentlich auch zu müde, um mir darüber jetzt Gedanken zu machen. Aber die Lust auf Schlaf vergeht einem sofort wieder. Das Hotel ist voller junger Leute in meinem Alter. Und alle sind gut drauf. Keine schlecht gelaunten Gesichter, wie in Berlin. Es dauert keine fünf Minuten, bis ich drei Leute kennen gelernt habe, die mich auf eine Party am selben Abend einladen.

Nach 30 Sekunden fummelt ein Mädchen an mir rum
 
Ich kann vor Müdigkeit meine Augen kaum aufhalten. Aber was soll’s. Ich bin ja auch hier um Spaß zu haben. Und den hat man hier auf Partys definitiv. Kaum 30 Sekunden bin ich im Raum, und schon fummelt mir eine Betrunkene am Reisverschluss meines Pullovers rum. Wie es mir geht, will sie wissen, ob ich einen Drink mit ihr nehmen will. Normalerweise vermute ich hinter solchen Verhalten Prostitution. Aber hier nicht. Hier ist alles anders. Ein Junge in meinem Alter geht an mir vor bei, klopft mir auf die Schulter: „Way to go, mate, that’s how it’s done here.”
 
Hier wird es mir gefallen. Nichts zu sehen von genervten Australiern. Nichts zu spüren von verkrampften Gesprächen, die ich aus Berlin gewohnt bin. Irgendwie sind hier alle Freunde. Ab morgen geht die Job-Suche los.

Julius Wolf wird in den kommenden Monaten regelmäßig für uns schreiben und auf unserer Seite www.tagesspiegel.de/werbinich seine Kolumne veröffentlichen. Seinen ersten Text vor der Abreise lest ihr hier, unter diesem Link.

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