Auf der Sonnenseite (6) : Der Backpackerhimmel: Auf dem Golfplatz mit den Kängurus

Für ein Jahr ist unser Autor Julius Wolf, 21, in Australien. Er ist gernevt: Kein Job, kein Auto, das Geld wird knapp. Doch es gibt Hoffnung.

Julius Wolf[Melbourne]
julius Februar
Alle mal posen! Julius mit neuen Kumpels in Australien. -Foto: privat

Wieder zurück in Melbourne. Irgendwas hält mich hier. Ich komme nicht los. Ich habe kein Auto, keinen Job und mein Geld wird langsam weniger. Adam, Timo und ich fangen langsam an, uns gegenseitig auf die Nerven zu gehen. Wir sind jetzt seit zwei Monaten zusammen unterwegs. Wir sind gestresst, weil wir keine Arbeit finden, und langsam gehen mir die Ideen aus. Wir haben uns im Internet beworben, wir haben telefoniert und persönlich Lebensläufe abgeliefert. Nichts, keine Reaktion. Das frustriert.

Es ist, naja, zum Kotzen

Und zusätzlich frustriert mich die eine Möglichkeit, die ich noch habe. Um Hilfe bitten. Freunde von Freunden meiner Eltern haben angeboten uns für ein paar Tage bei sich schlafen zu lassen. Das Angebot bestand schon von Anfang an, aber ich habe es immer wieder verdrängt, weil ich mein eigenes Ding machen wollte. Und jetzt ist es doch wieder so, dass ich Hilfe annehmen muss. Es ist zum Kotzen.

Als Adam, Timo und ich bei Helen und David ankommen, ist die Stimmung im Keller. Timo und Adam sind im Zug wegen irgendeiner Nichtigkeit aneinander geraten und ich bin sauer, weil ich nicht sein will, wo ich bin. Das ändert sich allerdings schlagartig. Erstens weil Helen und David unglaublich freundlich sind und so gut gelaunt, dass es abfärbt. Zweitens, weil das Essen der Hammer ist. Salat aus eigenem Garten, Fleisch vom Grill und Eis mit heißen Himbeeren, Backpackerhimmel.
 
Dann endlich, wir haben Jobs!

Nach dem Essen wird uns dann noch eröffnet, dass sie uns ein Auto verkaufen könnten. Einen alten Toyota Kombi. Und teuer ist er auch nicht, was für einen Stationwaggon dieser Größe ein Riesenglück ist. Und zusätzlich haben sie uns für den nächsten Tag Jobs besorgt. Nichts großartiges und auch nur für kurze Zeit, aber besser als nichts. Adam soll bei einer Bekannten von Helen Unkraut jäten und Timo und ich werden ein Haus streichen.
 
Das Leben kann doch auch noch schön sein. Wir sitzen im Garten, Kakadus und Papageien in den Bäumen und auf dem Terrassengeländer, der Wind rauscht leise und auf dem Golfplatz nebenan kommen die ersten Kängurus zwischen den Büschen hervor. Die ersten wildlebenden Kängurus, die ich sehe. Ich stehe auf und gehe an den Zaun, aber sofort hebt der Chef den Kopf und der ganze Mob hüpft davon. Helen und David lachen. „Du darfst nicht zu nah rangehen, dafür brauchst du einen Golfsack.“ Golfsack?

Ich sehe Kängurus aus einen Meter Entfernung 

Wir machen einen Verdauungsspaziergang über den Golfplatz, Helen hat ihre Golfsachen dabei, und tatsächlich, die Kängurus lassen uns bis auf einen Meter an sich heran, schnuppern nur kurz und fressen dann weiter. So etwas habe ich noch nie gesehen. Nicht mal das kleinste von ihnen zeigt sich erschreckt. Hier leben Kängurus und Golfer im Einklang. Nur ein Mann schreit und ruft, weil er versucht die Kängurus zu verscheuchen, die sich auf dem 16. Grün niedergelassen haben, dass er gerade zu spielen versucht. Im Moment ist die Welt in Ordnung. Morgen können wir ein bisschen Geld verdienen, wir haben ein Auto für die nächsten Unternehmungen und Streit hatten wir auch den ganzen Tag nicht mehr. Ein Frust bleibt trotzdem, ich meine ich bin dankbar für die Hilfe und nehme sie auch gerne an, aber gedacht war das doch anders, ich hätte das lieber allein geschafft.


An dieser Stelle berichtet Julius Wolf, 21, regelmäßig von seinem Auslandsjahr in Australien.

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