Werbinich : Aus vier mach drei

Susanne Vieth-Entus

Der absehbare Lehrermangel im neuen Schuljahr fordert jetzt seine ersten Opfer: Die Schöneberger Uckermark-Grundschule muss aus vier zweiten Klassen drei machen, um eine Lehrerin anderweitig einsetzen zu können. Das bedeutet, dass 20 Kinder, die nichts ahnend im August aus den Ferien kommen, auf drei Parallelklassen verteilt werden müssen und ihre Klassenlehrerin verlieren. „So kann man nicht mit kleinen Kindern umgehen“, steht für Landeselternsprecher André Schindler fest. Auch Peter Heyer vom Grundschulverband ist empört. Das Ganze sei eine „Überrumpelungsgeschichte“: Bis zum letzten Schultag habe man Eltern und Lehrer in Unkenntnis gelassen – wohl um noch vor den Ferien Protestaktionen zu verhindern, vermutet Heyer. Und dass es Protestaktionen gegeben hätte, steht fest: Die Kinder sind gerade erst ein Jahr in der Schule und dabei, schreiben zu lernen. Ein Lehrerwechsel zu diesem Zeitpunkt gilt als äußerst ungünstig. In diesem Fall ist es aber besonders verheerend,weil die Kinder auch noch ihre Klassengemeinschaft verlieren. Die neuen, zusammengewürfelten zweiten Klassen werden nicht mehr aus 20, sondern aus 27 Kindern bestehen.

Das alles läuft nicht nur Eltern- und Kinderinteressen zuwider, sondern auch der erklärten Senatslinie: Für Schulen mit einem Ausländeranteil von über 40 Prozent hat Bildungssenator Klaus Böger (SPD) festgelegt, dass sie ab diesem Jahr ihre ersten Klassen nur mit 20 Kindern füllen sollen, damit ein besseres Fundament gelegt werden kann. Die Uckermark-Grundschule hat über 40 Prozent Kinder nicht-deutscher Herkunft. Aber leider gilt die 20-Schüler-Anweisung nur für die ersten Klassen. Pech für die Zweitklässler.

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