Werbinich : „Engagierte Schulleitung ist notwendig“ Jury-Mitglied Volkholz über gute Vorbilder

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Kann das Erfolgsrezept der GeorgWeerthSchule auch an anderen Schulen funktionieren?

Ja sicher. All das, was die Georg-Weerth-Schule macht – ob Qualitätsentwicklung, Zielvereinbarungen, Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und Betrieben, Stärkung der Berufsvorbereitung –, sollte und kann jede Schule tun!

Wie stark hängt das Gelingen vom Schulleiter ab?

Bei fast allen Schulen, die pädagogisch hervortreten, hat die Schulleitung die Initiative ergriffen. Eine gute, engagierte Schulleitung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Ohne einen guten Teil der Lehrerinnen und Lehrer bekommt die Arbeit kein Fundament.

Die Jean-Piaget-Hauptschule lag beim VBKI-Wettbewerb nur knapp hinter der Weerth-Schule. In welchen Punkten kann sie Vorbild sein für andere?

Die Piaget-Hauptschule bemüht sich sehr um die individuelle Förderung von Jugendlichen, die andere Schulen schon aufgegeben hatten. Dies bestätigen vor allem Schüler, die sich sehr von der Schule angenommen fühlen. Die Schule vermittelt den Eindruck, dass es einen großen Konsens im Kollegium gibt, dass benachteiligte Jugendliche und ihre Eltern durch Zusammenarbeit mit der Schule Selbstvertrauen gewinnen müssen.

Warum haben sich nur 17 Schulen beteiligt?

Der Wettbewerb sollte ein Anreiz für Schulen sein, sich externen Beurteilungen zu stellen. Auf diesem Weg sind wir erst ganz am Anfang. Außerdem geschieht im Hinblick auf die Entwicklung von externen Evaluationsverfahren derzeit auch sehr viel durch die Senatsverwaltung für Bildung, sodass die Schulen sehr stark in Anspruch genommen sind.

Dieses Jahr wird es ernst mit der Eigenverantwortung an den Schulen. Sind die Berliner Schulen reif für diese Entwicklung?

Das neue Schulgesetz schafft im Punkt Eigenverantwortung gute Grundlagen, aber es schafft noch keine Veränderung der Realität. Viele Schulen, die pädagogisch etwas vorhaben, was ihnen bisher erschwert wurde, profitieren davon und sie werden Motor sein, dass Schulen eine größere Verantwortung für ihre pädagogische Arbeit übernehmen.

Wie kommt der Modellversuch „Eigenverantwortliche Schule“ voran, den Sie im Auftrag des Bildungssenators betreuen?

Langsam, aber stetig. Die Schulvereinbarungen, die mit allen Schulen über ihre jeweiligen Besonderheiten abgeschlossen werden, werden im Laufe dieses Monats unterschrieben, sodass die Schulen auch Sicherheit bekommen. Das Vorhaben insgesamt ist sehr umfangreich, deswegen muss man auch Geduld haben.

Die Fragen stellte Susanne Vieth-Entus. Mehr über vorbildliche Schulen im neu erschienenen Band der Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Selbstständig lernen. Bildung stärkt Zivilgesellschaft, Beltz-Verlag, 16,90 Euro

Sybille Volkholz , grüne Schulsenatorin a.D., ist Koordinatorin des Projektes „Schule-Wirtschaft“ der Industrie- und Handelskammer und leitet die Bildungskommission der Böll-Stiftung

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