Werbinich : Frisch gefliest

Der Bezirk hatte kein Geld – da wurde die Willi-Graf-Schule aktiv

Juliane Schäuble

Irgendwann hat das Warten gereicht. Schulfeste fanden jahrelang nur auf dem Hof statt, zu den beliebten Musik- und Theateraufführungen konnten weniger als 200 Gäste kommen. Der Grund: Der Aula des Willi-Graf-Gymnasiums fehlte der vorgeschriebene Notausgang. Außerdem waren Toiletten und Flure in einem katastrophalen Zustand – alles bekannte Mängel im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, aus Spargründen aber nicht zu beheben.

Bis der Verein der Freunde der Schule aktiv wurde. Dessen Vorsitzende Gisela Daub beschloss, dass sich die Schule in einem neuen Licht präsentieren müsse und startete das Projekt Schulverschönerung. „Vor allem die Schülertoiletten und die Umkleideräume waren unmöglich, Wände und Türen bekritzelt, und teilweise gab es weder Spiegel noch Seifenspender“, erzählt die Mutter von vier Kindern. Ihre Idee: Liebevoll bemalte Fliesen anstelle nackter Wände. 40000 Fliesen hat sie dazu bei Baumärkten erbettelt und diese in vielen Stunden gemeinsam mit Schülerinnen wie Nadine Pissors und Angelina Reinecke bemalt. Ein Aquarium und „Der Kleine Prinz“ für die Mädchen, Oldtimer und Wappen für die Jungs – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Seit 1998 haben insgesamt 420 Schüler jeden Mittwochnachmittag gemalt und gebrannt, unter Gisela Daubs fachkundiger Anleitung, denn die Betriebswirtschaftlerin ist auch gelernte Keramikmalerin.

Nach den Toiletten kamen Eingangs- und Aula-Foyer dran. Beide glänzen heute mit je einem 25 Meter langen und 1,40 Meter hohen handgefliesten Berlin- Panorama. Als besonderer Anreiz für Sponsoren konnten diese sich darin „verewigen“ lassen. Ihre drei Söhne hat Gisela Daub zum Fliesen und zu Instandsetzungen motiviert, in den Semesterferien arbeiten sie seit Jahren regelmäßig in ihrem ehemaligen Gymnasium am Ostpreußendamm 166. Das Engagement hat Wirkung gezeigt: Von dem neuen Gesicht der Schule beeindruckt, erteilte das Bezirksamt grünes Licht für den überfälligen Umbau der Aula. 2004 konnte begonnen werden – nach 17 Jahren. Wieder war der Verein der Freunde aktiv, sammelte Spenden und erstellte Baupläne. Durch den Tipp einer Mutter kam die Aula zu einem ausrangierten Hörsaalgestühl mit 134 Sitzen und 7 mal 7 Meter großer Leinwand, vom Berliner Pharmaunternehmen Schering kostenlos zur Verfügung gestellt. „Nur Ausbauen mussten wir es selber, aber auch das war kein Problem“, sagt Gisela Daub. Unüberwindbare Hindernisse gibt es für die zierliche 64-Jährige nicht. Von der Bühnentechnik bis zu neuen Vorhängen – für alles hat sie Ideen.

Rechtzeitig zur 100-Jahr-Feier der Schule am Mittwoch sind alle Arbeiten fertig geworden. Nun können der geplante Festakt und die beiden Musikabende endlich wieder in der alten Aula stattfinden. Die Ideen aber gehen Gisela Daub nicht aus: Schon plant sie neue Aktionen.

Gisela Daubs vielfältiges Engagement ist inzwischen auch von ganz oben gewürdigt worden: Zu Beginn des Jahres wurde ihr die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen.

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