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Das Leben da draußen ist spannend und manchmal echt verrückt: Ein Lexikon über Furries, Emos und andere schräge Typen

Sebastian Leber
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Mein Nachbar, der Panda-Fetischist. Schön, wenn jeder so seine tollen Hobbys hat.Foto: Mauritius

DIE PELZIGEN

So sehen sie aus. Wahrscheinlich völlig normal – unter ihren Ganzkörperkostümen! Die gibt es in den Motiven Bär, Hase, Tiger, Wolf. Und der Kopf ist abnehmbar.

Das steckt dahinter
. Furries verbindet nur eins: die Liebe zu pelzigen Verkleidungen. Die tragen sie am liebsten in der Gruppe, ganz ohne Hintergedanken. Weltweit gibt es angeblich schon 1,8 Millionen Furries.

Dagegen rebellieren sie. Das ungeschriebene Gesetz, nicht in albernen Bärenkostümen auf die Straße zu gehen. Und gegen Glatzen, Rasierer, Enthaarungscremes.

Da trifft man sie. Bei Stammtischen und Turnhallen-Conventions. Sie verabreden sich auf www.furbase.de, um dann gemeinsam durch die Stadt zu streunen.

So kommt man ins Gespräch
. „Darf ich mal streicheln?“

DIE ENTSAGER

So sehen sie aus. Auf einer Hand haben sie ein großes, schwarzes X. Poser malen es mit Edding auf, die Harten tätowieren.

Das steckt dahinter.
„Straight Edge“ sein heißt: Nicht rauchen, nicht trinken, keine sonstigen Drogen nehmen. Manche haben auch keinen Sex. Angeblich.

Dagegen rebellieren sie. Straight Edge wurde von Punks erfunden, die genervt waren, weil alle anderen Punks um sie herum ständig zugedröhnt waren. Das oberste Gesetz lautet daher: Was die Sinne benebelt, ist schlecht.

Da trifft man sie. Auf Hardcorekonzerten, in Saftbars.

So kommt man ins Gespräch
. „Haste mal keine Kippe?“

DIE PERSILGEGNER

So sehen sie aus. Typ gepflegter Rocker. Blaue Jeanshose und Jeansjacke. Hinten drauf steht nur ein Wort: „Turbojugend“.

Das steckt dahinter. Wer zur Turbojugend gehören will, muss erst beweisen, dass er großer Fan der norwegischen Deathpunkband Turbonegro ist. Und dann einen offiziellen Aufnahmeantrag stellen. Bela B. hat es geschafft, der Sänger von HIM auch. Der wichtigste Ehrenkodex lautet: Nie die Jeansjacke waschen.

Dagegen rebellieren sie. Seichte Popmusik. Stoffkleidung. Persil.

Da trifft man sie. Auf Turbonegro-Konzerten. Und einmal im Jahr bei den Welt-Turbojugend-Treffen in Hamburg- St. Pauli oder am 10. November bei der Party der Turbojugend Potsdam.

So kommt man ins Gespräch
. „Don’t say motherfucker, motherfucker“.

DIE FALLOBST-ESSER

So sehen sie aus. Meistens ziemlich dünn, aber immer glatte Haut.

Das steckt dahinter.
Frutarier essen nur, was die Natur von sich aus hergibt, ohne dass dafür eine Pflanze sterben muss, also Nüsse, Samen, Fallobst. Vorteil: Die Idee klingt ganz witzig. Nachteil: Gesund ist das nicht.

Dagegen rebellieren sie.
Fleischfresser. Pflanzenmörder. Inkonsequente Veganer.

Da trifft man sie. Unter Bäumen, in der Nussabteilung des Biomarktes in der Danziger.

So kommt man ins Gespräch. Zitiere Homer Simpson: „Ich bin Veganer der fünften Stufe. Ich esse nichts, was einen Schatten wirft.“

DIE MANGA-MENSCHEN

So sehen sie aus. Mädchen kombinieren Grufti-Look mit Schuluniform, Jungs sehen aus wie Bill von Tokio Hotel, nur mit mehr Schminke und längeren, noch grelleren Strähnen im Haar.

Das steckt dahinter. Die Subkultur kommt aus Japan und heißt „Visual Kei“, das spricht man „Wischel Käi“ aus. Gehört offiziell zur Gothic-Szene, hat aber nichts mit Satanismus zu tun. Es gibt 45 Unterarten, je nach Aussehen und Musikgeschmack.

Dagegen rebellieren sie. Disney-Filme. Turnschuhe. Bill von Tokio Hotel – der tut nur so.

Da trifft man sie. Im Comicladen „Grober Unfug“ in der Weinmeisterstraße, in der Kosmetik-Ecke bei Rossmann, auf J-Rock-Konzerten (Rock aus Japan)

So kommt man ins Gespräch
. „Wenn ich jetzt grünen Lippenstift zu blauen Strähnen trage, bin ich dann Debiru Kei, Eroguro Kei oder Elegant Gothic Lolita?“

DIE INTERNET-PIRATEN

So sehen sie aus: Unauffällig. Manchmal mit Pinguin auf dem Shirt.

Das steckt dahinter: Die Warez-Szene (sprich: „Wärs-Szene“) liebt Daten, solange sie illegal sind. Alles, was heruntergeladen werden kann, wird heruntergeladen. Und zwar aus Überzeugung.

Dagegen rebellieren sie: die Plattenindustrie, die Filmindustrie, Microsoft. Das ganze verdammte System.

Da trifft man sie: In Online-Tauschbörsen, im Internet-Café, im Linux-Laden in der Tucholskystraße in Mitte.

So kommt man ins Gespräch: „Die bei der GEZ sind alles Nazis, oder?“

DIE GEFÜHLSBETONTEN

So sehen sie aus. Die Haare müssen schwarz sein, am besten pechschwarz. Mädchen tragen Pony, Jungs schrägen Seitenscheitel mitten ins Gesicht rein. Ganz wichtig: trauriger Hundeblick.

Das steckt dahinter. Sie nennen sich „Emo“. Das steht für „Emotional Hardcore“ und bedeutet: Wir sind nur glücklich, wenn wir todtraurig sind. Deswegen mögen sie Regen, Depressionen, Schmerz und Musik von Embrace.

Dagegen rebellieren sie.
Emos rebellieren nicht, sie verzweifeln: an einer zerbrochenen Liebe, am Leben, an der Vergänglichkeit und manchmal auch an sich selbst.

Da trifft man sie. Im Magnet Club in der Greifswalder Straße, auf Myspace.

So kommt man ins Gespräch. „Hast Du schon mal daran gedacht, das wir morgen bereits alle tot sein könnten?“

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