Werbinich : Hilfe für Kinder von Migranten Sprachunterricht steht für Tüdesb im Vordergrund

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Der Verein Tüdesb wurde 1994 gegründet – nach eigenen Angaben, „um Kinder in der schulischen und außerschulischen Entwicklung zu fördern“. Außerdem sollen die Kinder die türkische, die deutsche und andere Sprachen „sehr gut beherrschen“. Die Abkürzung „Tüdesb“ stand ursprünglich für „TürkischDeutsches Sozialbildungsinstitut Berlin-Brandenburg“. Diese Bezeichnung wird nicht mehr benutzt, nur die Abkürzung existiert weiter. Heute hat der Verein 300 Mitglieder und nennt sich „Tüdesb Bildungsinstitut Berlin-Brandenburg“. Mit dem neuen Gymnasium will man auch deutsche Familien und Kinder anderer Familien nicht deutscher Herkunft ansprechen. Tüdesb unterhält vier Nachhilfeinstitute in Tempelhof, Spandau, Neukölln und Wedding. 2003 kam der Kindergarten „Kinderwelt“ in Kreuzberg hinzu. Im Jahr 2000 erhielt der Verein den Integrationspreis der Ausländerbeauftragten. Auf seiner Homepage (www.tudesb.de) steht, dass der Verein „keine politischen und religiösen Ziele verfolgt“ und sich „an alle Interessierten ohne Beachtung der politischen und konfessionellen Überzeugung“ wendet.

Wer ist Fethullah Gülen?

Der 66-jährige pensionierte Prediger Fethullah Gülen ist in der Türkei sehr umstritten. Mitte der 90er Jahre wurde er von vielen türkischen Politikern und Intellektuellen als Modernisierer des Islam gelobt, weil er für eine Verbindung von Religion und Naturwissenschaften plädiert. Die Natur ist für Gülen das Buch Allahs, in dem man als Naturwissenschaftler lesen lerne. Wissenschaft ist somit nicht Ausgangspunkt von religiösen Zweifeln, sondern Quelle religiöser Erkenntnis.

Ende der 90er Jahre setzten sich seine Gegner durch, die ihm unterstellen, er wolle mit seinem Netzwerk aus Privatschulen, Stiftungen und Studentenwohnheimen das säkulare Bildungssystem unterwandern und einen theokratischen Staat gründen. Gülen kam einer Verhaftung zuvor, indem er 1999 von einem Krankenhausaufenthalt in den USA nicht mehr zurückkehrte. Udo Steinbach, der Direktor des Orientinstituts in Hamburg, hält das Gülen-Netzwerk für die größte und wichtigste Gemeinde in der Türkei.

Mit Hilfe von Privatschulen, die Gülens Anhänger zunehmend auch in Europa und Asien gründen, soll eine neue muslimische Elite erzogen werden als Gegenpol zur jetzigen, nach Gülens Meinung in Chaos und Hoffnungslosigkeiten gefangenen Generation, schreibt der Islamwissenschaftler Bekim Agai. Oberste Pflicht eines jeden Muslim sei für Gülen der Dschihad, die Verbreitung des islamischen Glaubens. „Der Dschihad ist das Ziel der menschlichen Schöpfung und es gibt keine Pflicht auf der Welt, die wichtiger wäre“, schreibt Gülen in seinem Buch „Fragen an den Islam“. Die Bildungsarbeit ist für ihn der wichtigste Teil des Dschihad. Im Verteidigungsfall dürfe der Dschihad aber auch mit Waffengewalt geführt werden, etwa wenn die Religionsfreiheit behindert werde.

In Deutschland unterhalten Gülen- Anhänger vor allem in Nordrhein-Westfalen Bildungseinrichtungen. Typisch ist, dass die Verbindung zu Gülen offiziell nicht erwähnt wird, dass der Unterricht dem staatlichen Rahmenplan folgt, die Leistungsorientierung der Kinder sowie eine umfangreiche Spracherziehung, besonders in Englisch, dominiert. Auch die Einbindung der Eltern ist typisch. Durch die Vermittlung von Schulwissen, türkisch-kulturelle Freizeitaktivitäten und freiwillige religiöse Angebote sollen sich die Kinder in die deutsche Gesellschaft integrieren lernen, sich aber spezifische Eigenheiten bewahren.clk/sve

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