Werbinich : Ich küsse der Sterne Licht

Marie-Luise Flöting (20)

Der graue Pfad der Ewigkeit,

Scheint unter mir zu wandeln.

Mein Wesen ist geweiht,

Versiegelt ist mein Handeln.

Blutige Glieder,

Von Fallen die gestellt,

Reißen mich nieder,

Das Opfer ist gewählt.

* * *

Sie schnappen zu

Wenn ich mich sicher wiege,

In meinem unschuldigen Glück.

Und trotz des Schwurs zum Siege,

Lässt mein Held mich zurück.

Vom Feigling im goldenen Nerz,

Um mein Selbst betrogen,

Winselt mein Herz,

Vom Leben belogen.

* * *

Der Kämpfer sieht mich

Am Boden beben.

Ob er mich erkennt?

Er hat mein Schicksal vergeben,

Dem Herrscher,

Der mich in die Erde drängt,

Um mich vom Himmel fern zu halten,

Bin ich unterdrückt,

Von grausamen Gewalten.

Vom Paradies doch eben noch entzückt,

Erkaltet mein Gefühl.

Das Ende mich ruft,

Durch des Fegefeuers Spiel,

In die eisige Gruft.

* * *

Vom Dunkeln umspielt, küsse ich

Der Sterne Licht,

Weil dies nun ist mein Gericht,

Denn meine zarte Blüte ist verdorrt.

Und der warme Blick der Ferne –

Er gibt mich endlich fort.

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