Jugend denkt übers Alter nach : Alt wird neu

25,99 Euro kostet die „Hipster-Bluse“ im Schaufenster. Ein ganz hübsche, altmodische, roséfarbene Bluse mit einer süßen Schleife - aber 25,99 Euro für einen Polyesterstoff made in China, mit dem ich wahrscheinlich auch noch Kinderarbeit unterstütze? Nein danke! Da ist mir mein Flohmarkt am Schöneberger Rathaus tausend Mal lieber, sagt Elsa, 17 Jahre.

Elsa Despoix
Geht es denn überhaupt noch hipper als mit Omabluse und Michael Jackson?
Geht es denn überhaupt noch hipper als mit Omabluse und Michael Jackson?Foto: privat

Also mache ich mich auch diesen Sonntag wieder auf den Weg. Es ist elf Uhr. Knappe 20 Euro habe ich in der Tasche. In der ersten Allee brüllt eine türkische Dame „Schäne Läderjacke, billi, billi!“ und das, obwohl sie schon seit Jahren keine Lederjacken mehr verkauft.

Weiter hinten sitzen die alt eingesessenen Berliner mit Pelzen, Büchern und Schallplatten. Sofort fällt mein Blick auf vier seltene LP-Singles von Michael Jackson, der Verkäufer nennt mir den stolzen Preis von 5€ pro Stück. Nach ein paar netten Blicken und ein bisschen betteln bekomme ich sie für die Hälfte. Noch zehn Euro.
Da entdecke ich endlich meine Hipster-Bluse! Zwar in einer anderen Farbe, aber aus gutem Stoff (echte Seide) und trotzdem dem gleichen Schnitt. Ich frage die etwas ältere Verkäuferin, wie viel sie kostet. „Ach, ich weiß nicht, wären zwei Euro für Sie in Ordnung? Ich würde Sie Ihnen aber auch für einen geben, das alte Ding will doch sowieso keiner mehr.“ Glücklich reiche ich ihr die zwei Euro und bekomme meine Bluse in einer Tüte vom KaDeWe - schon ziemlich absurd, die ganze Sache!

Vielleicht finden es manche komisch, alte Dinge zu kaufen - ich nicht. Ich sehe den Flohmarkt eher als einen Ort, an dem die Zeit steht, denn es ist nicht entscheidend, wie alt oder neu die Gegenstände sind, sondern wie gut sie sich im Lauf der Zeit bewährt haben. Auch Kosten und Wert weichen hier sehr von einander ab. Außerdem kommen Retro und Vintage zurzeit wieder in Mode. Plötzlich liege ich also mit meinen komischen Angewohnheiten, alten Jazz und Swing zu hören und von den goldenen Zwanzigern zu träumen, ungewollt mitten im Trend.

Und so ist es auch mit meiner Vintage-Bluse. Nur eine kann sich mit meiner neuen Errungenschaft der „Omabluse“, wie sie sie nennt, nicht anfreunden: meine Oma.

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