Jugendliche und Datenüberwachung : Gästecouch für Edward Snowden

Würde ich Edward Snowden Unterschlupf gewähren? Ida, 15 Jahre, sagt: Ja. Snowden ist ein Held, er alles für eine freie Gesellschaft gegeben. Leute wie er müssen unterstützt werden.

Ida Lieback
Ida findet, die freie Gesellschaft muss vor Datenüberwachung geschützt werden.
Ida findet, die freie Gesellschaft muss vor Datenüberwachung geschützt werden.Foto: privat

Edward Snowden ist der meist gesuchte Mann der Welt. Das klingt nach Abenteuer – aber ständig auf der Flucht zu sein, das ist kein Zuckerschlecken. Viele sehen Snowden als Helden, und auch ich bin der Meinung, dass Snowden das einzig Richtige getan hat. Aber warum riskiert jemand sein Leben für die Aufklärung des Volkes über unsaubere Methoden seiner Regierung? Ich hätte nie den Mut, das zu tun, was Edward Snowden getan hat. Die Angst, niemals wieder richtig leben zu können, wäre viel zu groß. Was geschieht mit meiner Familie? Wie viel wäre ich bereit, für mein Volk zu geben? Snowden hat viel aufgegeben.

Manch einer fragt sich vielleicht, ob Snowden nicht schlafende Hunde geweckt hat, der lange friedlich waren und es auch weiterhin hätten bleiben können. Immerhin waren wir glücklich, wie es war – warum sollte man das Volk unnötig beunruhigen? War es nicht vorher besser?

Aber es war nicht gut. Nehmen wir mal an, Lisa sitzt im Café, ihre Freundin Marie macht ein Handyfoto von ihr und postet es auf Facebook. Dass der junge Mann neben Lisa ein gesuchter Al-Qaida-Terrorist ist, wissen sie nicht. Durch die Überwachung der Internetkommunikation wird er erkannt, und Lisa gerät unter Verdacht. Lisas Mailverkehr der letzten fünf Jahre wird gescannt, man stößt auf folgende Mail: „Lieber Karim, hast du alles bekommen, worüber wir gesprochen haben?“

Dass es sich dabei bloß um die Hausaufgaben handelte, glaubt ihr natürlich keiner…

Das klingt vielleicht an den Haaren herbeigezogen, aber es ist genau das, was passieren könnte. Und deshalb betrifft das Abschöpfen von Daten uns alle. Es ist eine Verletzung der Privatsphäre aller Menschen, ob es nun gut oder böse gemeint ist. Es ist wichtig, dieses Unrecht aufzudecken und die Betroffenen wachzurütteln.

Was passiert nach dem Jahr Asyl in Russland? Muss Snowden sich ein neues Versteck suchen? Oder hat sich bis dahin alles soweit beruhigt, dass er zurück in die USA reisen kann? Wohl kaum. An seiner Stelle wäre meine Loyalität gegenüber dem Staat spätestens nach US-Justizminister Eric Holders Äußerung völlig am Ende, er habe in seiner Heimat weder Todesstrafe noch Folter zu befürchten.

Und deshalb würde ich für ihn die Gästecouch bei uns ausklappen. Angst hin oder her – indem ich Snowden helfe, unterstütze ich die Mündigkeit der Bürger. Wir können nicht daneben stehen, Snowden für das loben, was er tut und dann, wenn es brenzlig wird, zurückweichen. Wir müssen zusammenhalten gegen totale Überwachung und für eine freie Gesellschaft.

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