KLEINE BERLINER GANG-KUNDE : „In den USA kriegst du ’ne Kugel in den Kopf“

Eko Fresh, 24, hat sein neues Album "Ekaveli" veröffentlicht. Ein Gespräch über schräge Gangzeichen, alberne US-Klischees und brennende Mülltonnen am Schlesischen Tor.

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Mach mal "W" wie Westdeutschland! Eko Fresh ist zurück - mit einem witzigen Lied, Track 17:. "Ohne dich". -Michal Wilfing

Eko, immer wieder streiten sich Rapper, auch in Berlin, jetzt wurde Fler angeblich attackiert. Warst du mal in einer Gang?



Nein, Mann.

Nein?

Ich war nur in einer Crew, und die war nicht kriminell. Ich habe keine Waffen auf den Straßen getragen, sondern nur meine Hip-Hop-Vinylplatten. Ich war immer schon Eko, der Rapper – und nie Eko, der Gangster.

Wie hat man deine Crew erkannt?

Handzeichen hatten wir speziell keine, wir hatten immer nur sehr gepflegte Klamotten und Hosen im Baggy-Style. Aber klar gibt es Leute, die zeigen auch hier in Köln das „W“ mit den Fingern ...

... in den USA steht es für „Westcoast“.

Ja, Mann. Und bei uns steht das „W“ für den Westen, fürs Rheinland.

In Berlin ist das ähnlich.

Genau. Bei euch steht das „W“ für „West-Berlin“.

Irgendwie absurd, oder?

Ach, das muss doch niemand furchtbar ernst nehmen. Es geht um Coolness, um Identifikation und um seine geografische Herkunft. Wir haben immer schon – egal ob in Frankreich oder in Deutschland – viele Symbole aus dem amerikanischen Hip-Hop-Milieu übernommen, nicht nur Klamottenstyle.

Aber manchmal wirkt die Szene wirklich merkwürdig ernst. Wir haben Leute gefragt, ob sie die „36“ mit ihren Fingern formen und wir sie dann schön fotografieren ...

... und? Wie haben die reagiert?

Es haben wirklich alle abgelehnt.

Klar! Du weißt, wofür „36“ stehst?

SO 36. Für die Gang „36ers“.

Ja, Mann. Ich bin so eine Art Ehrenmitglied, die kennt jeder Typ bundesweit, deshalb habe ich noch nie auf die Fresse gekriegt – gut, außer beim 1. Mai, als ich eine Bierflasche kassiert habe. Die Narbe an meiner Augenbraue erinnert mich noch heute dran.

Da gab’s auch Streit in der Rapszene.

Ja, alte Geschichte. Damals haben mir die „36ers“ geholfen. Aber die hochkriminellen Zeiten von denen sind schon lange vorbei, die Leute sind erwachsen und haben Familie. Aber vor den Alten hat man halt gefälligst Respekt. Und deshalb macht man keine Späßchen mit den „36ern“.

Hört sich doch an wie in den USA.

Nein, Mann. In den USA entscheidet ein Handzeichen, ob du ’ne Kugel verpasst bekommst. Aber so schlimm ist’s in Kreuzberg nun wirklich nicht. Berlin ist zwar härter, aber auch am Schlesischen Tor – da habe ich zwei Jahre gewohnt – sollte niemand eine Mülltonne anzünden wie in US-Rapvideos. Da wirst du in Berlin ausgelacht.

Das Gespräch führte André Görke.

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