Werbinich : Mehr Politikunterricht für zukünftige Wähler

Roberta Huldisch[17 Jahre]

Im Juni 2010 führte eine Berliner Schülerinitiative an fünf Oberschulen eine Umfrage durch. Sie drehte sich um grundlegende politische Themen – und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Nur knapp über die Hälfte der Befragten konnte den Begriff „Koalition“ erklären, ganze sieben Prozent wussten nicht, wie die deutsche Bundeskanzlerin heißt. Die Umfrage bestätigt damit eine gängige und offenbar nicht ganz unberechtigte Auffassung:

Ein Großteil der Jugendlichen interessiert sich nicht für

Politik.

Selbstverständlich gibt es Ausnahmen. Wenn es um greifbare gesellschaftliche Fragen geht, engagieren sich auch viele junge Menschen: Fast die Hälfte der Demonstranten, die sich an den diesjährigen Anti-Atomkraft-Demos in Berlin beteiligten, war unter zwanzig.

Wie soll man Interesse für etwas aufbringen, das man nicht versteht? Auf abstrakte und schwer durchschaubare Themen wie EuroBonds oder Staatsbankrotte reagieren nicht nur viele Jugendliche mit Desinteresse.

Was muss getan werden, um zukünftige Wähler für die Demokratie zu sensibilisieren? Mehr als alles andere brauchen wir einen verpflichtenden Politikunterricht. Ein solches Fach darf nicht erst in der Oberstufe angeboten werden, wo es von einigen ohnehin interessierten Schülern freiwillig gewählt wird. Es muss spätestens ab der 7. Klasse allen Schülern die Grundlagen unseres politischen Systems beibringen. Nur mit fundiertem Grundwissen kann man später mitreden. Selbstverständlich darf die Schule nicht als Ersatz für eigene Neugier funktionieren. Aber sie kann Anstöße geben und Grundlagen vermitteln, auf deren Fundament sich jeder ein breiteres Verständnis von Gesellschaft und Politik aufbauen kann. Ein Schulfach, in dem all das gelingt, wäre auch die wichtigste Voraussetzung, um das Wahlalter eines Tages auf 16 Jahre zu senken – damit sich mehr junge Menschen für alltägliche Politik begeistern können. Roberta Huldisch, 17 Jahre

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