Werbinich : Porträts mit Schönheitsfehlern

Annette Kögel

Würde man der Bildungsverwaltung für ihre Internetseite mit Berliner Schulporträts ein Zeugnis schreiben, müsste der Wortlaut ungefähr so heißen: „Die Bemühungen, den Eltern Informationen zur Auswahl einer Schule für ihr Kind an die Hand zu geben, werden anerkannt.“ Bemüht, das ist die Verwaltung wirklich – doch Mühe allein genügt nicht.

Denn das, was Mütter und Väter da als detaillierten Katalog über Ausstattung, Fachlehrer und Bildungsprofil präsentiert bekommen, ist nach Auskunft vieler Schulleiter teils gar nicht mehr aktuell. Oder, schlimmer noch, sogar fehlerhaft. So ist der Internetseite für die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Schöneberg zu entnehmen, dass sie über eine ausreichende Ausstattung mit Fachlehrern für Geschichte, Politische Wissenschaften, Sozialkunde und Erdkunde verfüge, dass sie diese aber nicht optimal nutze. Über den Angaben prangt ein Smiley mit nach unten gezogenen Mundwinkeln, das sieht gar nicht gut aus. Nach Angaben der Schulleitung wird aber der Unterricht in besagten Fächern komplett von Fachlehrern erteilt. Dass das kein Einzelfall ist, wurde kürzlich bei einer Versammlung von Berliner Schulleitern deutlich. Viele Schulchefs sind über das irreführende Bild sogar so sauer, dass sie darüber nachdenken, künftig keine Auskünfte an die Verwaltung mehr weiterzuleiten und die Porträtseite somit zu boykottieren. Andererseits soll es durchaus vorkommen, dass Schulen selbst frisierte Informationen liefern, um ihr Haus besser dastehen zu lassen.

Davon haben die Eltern allerdings auch wenig. Schlagen wir also das vor, was sich im modernen Schulalltag anbietet. Liebe Verwaltung, liebe Schulleiter, nehmt euch einen Mediator und setzt euch an einen Tisch. Berliner Eltern brauchen Infos über die höchst differenzierte Schullandschaft. Pflegt die Seite besser, verseht sie mit Links zum Inspektionsbericht (siehe nebenstehender Beitrag). Den Eltern und ihren Kinder zuliebe.

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