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Rauchen & Alkohol : Verbotenes schmeckt am besten

26.09.2012 00:00 UhrVon Max Deibert
Ran an die Kekse! Foto: privatBild vergrößern
Ran an die Kekse! - Foto: privat

Mit 16 Bier trinkend auf einer Parkbank zu sitzen und die missbilligenden Blicke der Passanten zu spüren: Glorreich!

Meine Mutter kann leckere Kekse backen. Leider hat sie strenge, nahezu sadistische Vorstellungen davon, wie oft und wann sie verzehrt werden dürfen. Als ich noch klein war, gingen meine Eltern manchmal aus. Ich blieb mit den Keksen allein. Die dringende Ermahnung, die Keksdose auf dem Schrank nicht anzurühren, sah ich als Hinweis: kein Suchen nötig. Mit vor Erregung klopfendem Herzen saß ich auf dem kalten Küchenfußboden und schmeckte die Süße der verbotenen Frucht.
Ach, wie gern sind wir doch alle Rebellen! Die Idee, seinem tristen Leben einen Moment zu entfliehen und etwas Verbotenes zu tun, versetzt gerade die Jugend in Aufregung.

Ich rede natürlich nicht von Verstößen gegen das Grundgesetz oder die Zehn Gebote, vielmehr meine ich die kleinen Verbrechen des Alltags.
Mit 16 Bier trinkend auf einer Parkbank zu sitzen und die missbilligenden Blicke der Passanten zu spüren:
Glorreich! Würden meine Freunde kotzend unter dieser Bank liegen, während von Ferne schon ein Martinshorn tönt, würde es sich anders anfühlen. Komasaufen, harter
Alkohol in Schulrucksäcken sind Bilder, die ich mir an meiner Schule nicht wünsche.
Es kommt also, wie fast immer im Leben, auf die Wahrung eines Maßes an. Jugendliche müssen aufmüpfig sein und die Möglichkeit haben, über die Stränge zu schlagen. Dabei soll aber keiner verletzt oder nachhaltig geschädigt werden.
Die entspannte Haltung unserer Regierung hat noch andere Vorteile: Anders als in Ländern wie Finnland oder Schweden, wo restriktive Gesetze dafür sorgen, dass Alkohol nur seiner Wirkung wegen getrunken wird, ist es im südlicheren Europa eine Tradition, Alkohol als Genussmittel zu sehen und ihn nach Möglichkeit auch so zu verwenden. Ich werde mich bestimmt noch ein paar Mal sinnlos betrinken, Unsinn oder schlechte Erfahrungen machen, Dummheiten anstellen, die ich dann selbst wieder ausbaden muss, aber irgendwann werde ich mit meiner Frau am Küchentisch sitzen und ein Glas Wein trinken. Härtere Drogen zählen für mich in keiner Weise als Genussmittel oder Kulturgut, weshalb ich voll und ganz hinter dem Staat stehe, wenn er sie verbietet.
Max Deibert, 16 Jahre

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