Werbinich : Rückblick - Ausblick

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Ein hartes, aber auch aufschlussreiches Jahr geht für die Berliner Schulen zu Ende. Es brachte ja nicht nur den Rütli-Schock, sondern auch die um sich greifende Erkenntnis, dass man aufhören muss, ein paar tausend „Restschüler“ in Hauptschulen zusammenzupferchen. Angesichts dieses Erkenntnisgewinns in größeren Bevölkerungs- und Politikschichten kann man also ruhig von einem heilsamen Schock sprechen. Und zudem brachte er den Hauptschulen ja auch einige ganz konkrete Verbesserungen wie die schnellere Bewilligung von Sozialarbeitern und neuen Lehrern.

So positiv ging es nicht überall zu. Die Schulen, die zum Abitur führen, haben zurzeit eher das Gefühl, dass vieles bergab geht. Sie müssen nicht nur den Mittleren Schulabschluss organisieren, sondern auch noch das Zentralabitur – beides mit Unmengen mündlicher Prüfungen und Präsentationen, von denen noch kaum einer so genau weiß, wie sich alles aufeinander abstimmen lässt. An vielen Schulen hat das Nebeneinander so vieler Neuerungen dazu geführt, dass keiner mehr alle Details durchschaut und die Schüler mitunter sogar falsch beraten werden.

Wo diese Probleme noch einhergehen mit Personalmangel oder schlechter Leitung, herrscht dann schon mal Untergangsstimmung. Und so ist es nicht verwunderlich, dass in diesen Wochen tausende Lehrer an den Bildungssenator meldeten, dass sie überlastet sind. „Ich kann und will so nicht mehr weiter arbeiten“, stand auf einer Erklärung, die rund 400 Lehrer allein in Mitte vergangene Woche unterzeichneten.

Wenn Berlins Lehrer und Eltern einen Wunschzettel schreiben könnten, würden sie wohl fast alle an erster Stelle vermerken: Mehr Personal. Aber da ist noch viel mehr, was fehlt. Zum Beispiel gutes Management in den Schulen und in der Behörde. Und es mangelt auch an Kantinen für die vielen Oberschüler, die jetzt bis nachmittags in der Schule sitzen.

Wenn man genauer hinsieht, zeigt sich sehr schnell: Manche Wunschzettel sollten an den Senator adressiert sein, manche ans Abgeordnetenhaus, manche an die Schulleiter und manche – an die Basis. Denn auch Lehrer und Eltern können einiges vor Ort ändern, wenn sie nur wollen und sich aus der Opferrolle verabschieden. sve

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