Schulwettbewerb : Mit dem Party-Fahrrad durch die Stadt

An der Luise-Henriette-Schule gründen Jugendliche Schülerfirmen. Das hilft ihnen beim Berufseinstieg. Drei Abiturienten und ihr Lehrer berichten.

von
Gründer unter sich: Janis Tappe, Asli Karabenli, Lehrer Dieter Radde und Carl Hausl (v.l.) von der Luise-Henriette-Schule in Tempelhof.
Gründer unter sich: Janis Tappe, Asli Karabenli, Lehrer Dieter Radde und Carl Hausl (v.l.) von der Luise-Henriette-Schule in...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Es war ein Schockmoment für die Zuhörer. „Die Jury hat schon ihre Stifte weggelegt und gedacht: Das war's“, sagt die Abiturientin Asli Karabenli aus Tempelhof. Mitten in der Präsentation hatte ihr Handy geklingelt. Doch was die Jury nicht wusste: Der Anruf war geplant. Aslis Mitschüler Carl Hausl hatte ihre Nummer gewählt. Sie nahm ab und sagte: „Road Beats, guten Tag, was kann ich für Sie tun?“

Das war vor einem Jahr in Hamburg, beim Bundeswettbewerb Junior des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Die Schüler, die jetzt ihr Abitur frisch in der Tasche haben, traten damals mit ihrem Unternehmen „Road Beats“ an. Sie hatten es in einjähriger Projektarbeit mit Mitschülern aus dem Seminar Wirtschaft der Luise-Henriette-Schule in Tempelhof entwickelt. Als Berliner Landessieger präsentierten sie in Hamburg ihre Schülerfirma: ein Verleihunternehmen für ein „Musikfahrrad“, mit batteriebetriebenen Boxen. „Die Idee kam uns, weil uns oben auf dem Kreuzberg immer die Musik gefehlt hat“, sagt Carl.

Das Unternehmen mit dem Slogan „Road Beats… deine Party zum Mitnehmen“ hat zwar nicht für einen finanziellen Gewinn gereicht, auch im Junior-Bundeswettbewerb kam das Unternehmen nicht weiter. Asli ist trotzdem sicher, dass sie sich mit ihrem Streich „ins Gedächtnis der Jury eingebrannt“ haben. Sie hat gelernt, wie man sich präsentiert. Ihr Lehrer Dieter Radde, 61, Leiter des Seminars Wirtschaft und pädagogischer Koordinator, sagt: „Sie lernen zu kommunizieren, Rede und Antwort zu stehen, eine Idee zu verkaufen.“ Wenn es später ins Bewerbungsgespräch geht, haben die Schüler eine solche Situation schon mehrfach gemeistert.

Ihre Zeit an der Luise-Henriette- Schule ist nun vorbei. Asli, Carl und ihr Mitschüler Janis Tappe, alle 18, besprechen ihre Abiturergebnisse. Sie liegen zwischen 2,1 und 2,4. Asli ist inzwischen Kommunikationsvorstand des Juniorwettbewerbs, demnächst gibt sie in Leipzig einen Workshop, wie man Schülerunternehmen gründet.

Auch Dieter Radde ist momentan viel unterwegs. Der Lehrer, der sich als Preisträger des Deutschen Lehrerpreises Pisagoras als einen der besten Pädagogen des Landes bezeichnen darf, kommt gerade aus München. Dort hat eine seiner Schülergruppen als Regionalsieger an einer weiteren Runde des Wettbewerbs „business at school“ teilgenommen. Für diesen Wettbewerb gründen die Teilnehmer der AG Wirtschaft in der zehnten Klasse ein fiktives Unternehmen. In der elften Klasse folgt im Seminar Wirtschaft die reale Schülerfirma.

Auf Raddes Schreibtisch steht eine Trophäe aus Plexiglas – die Auszeichnung von 2004, als die Schülergruppe den zweiten Platz im Junior-Bundeswettbewerb belegte. Ihre Unternehmensidee war die Digitalisierung von Schallplatten, in den Jahren darauf kamen leuchtende Schnürsenkel hinzu, der Stadtführer „Berlin to go“, dieses Jahr sind es aus alten Kaffeesäcken gefertigte Taschen. Dieter Radde findet es gut, dass jedes Jahr neue Ideen entstehen. „Die Schüler lernen alles von der Ideenfindung bis zur Umsetzung und gehen alle Etappen einer Startup-Gründung durch.“

Auch Asli und Janis begannen ihre ersten Schritte als Unternehmer in der AG Wirtschaft. Aslis Gruppe ging als Schulsieger in den Landeswettbewerb von „business at school“, mit einem Briefkasten, der sich automatisch meldet, wenn er Post hat. Asli kann sich vorstellen, später ein eigenes Unternehmen zu gründen. Sie fühlt sich als ehemalige Geschäftsführerin von „Road Beats“ bestens vorbereitet. Doch erst einmal möchte sie Informatik studieren.

Janis und Carl bleibt vor allem in Erinnerung, wie wichtig Kommunikation ist. Als Techniker hatten sie oft mit unrealistischen Wünschen ihrer Mitschüler zu kämpfen. „Man sollte ähnliche Vorstellungen haben, bevor man so einen Schritt gemeinsam geht“, sagt Janis. Beide spielen mit dem Gedanken, das Fach Technischer Umweltschutz zu studieren. Danach wollen sie vielleicht gemeinsam ein ökologisches Unternehmen aufbauen.

Jetzt aber steht erst mal ihre „Findungsphase“ an, wie sie ihre Auslandsaufenthalte in Afrika und Südamerika nennen. Für die Unternehmensgründung bleibt noch viel Zeit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben