Werbinich : Udo Jürgens?

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Udo Jürgens ist gestern 70 Jahre alt geworden. Was kann man von ihm lernen?

Wie man halbwegs in Würde alt wird. Udo Jürgens ist ein Schlagersänger, der sich mit Gefühlen ziemlich gut auskennt. Bei Konzerten gibt er grundsätzlich alles. Meistens schwitzt er einen ganzen Stapel weißer Handtücher durch. Und zum Schluss sitzt er in einem flauschigen weißen Bademantel am Flügel und singt ein trauriges Lied. Dann weinen die Frauen im Publikum in die weißen, nassen Handtücher, die Jürgens von der Bühne geworfen hat.

Warum weinen die? Sind die irre?

Es geht bei Udo Jürgens auch viel um Sehnsucht. Darum also, wie eintönig und fad das Leben sein kann, wenn man erwachsen ist – also zwei Kinder, eine Doppelhaushälfte und eine Büroarbeit hat – und einem dann irgendwann auffällt, dass man noch nie mit zerrissenen Jeans in San Francisco über die Golden-Gate-Brücke gejoggt ist.

San Francisco, gut und schön. Aber wer trägt noch zerrissene Jeans?!

Damals waren zerrissene Jeans ein Symbol für Freiheit und Jugend. Es gab viele Hippies in den Siebzigern, und die haben alle in San Francisco gewohnt. Heute würde Udo Jürgens vielleicht eher Low-Cut–Costumized-Jeans in seinen Liedern vorkommen lassen.

Moment. Ist „San Francisco (Be sure to wear some Flowers in your Hair)“ auch von Udo Jürgens?

Nein, von Scott McKenzie.

Okay, dann ist Udo Jürgens sicher der deutsche Scott McKenzie …

So wie Peter Kraus der deutsche Elvis ist? Nein, auf keinen Fall. McKenzie hatte nur einen Hit, Jürgens so viele, dass sie gar nicht alle in ein Konzert passen. Außerdem ist Udo Jürgens viel charmanter, weswegen er sich vor zwielichtigen Angeboten von Frauen sein Leben lang nicht retten konnte.

Das muss hart sein.

Findet er nicht. Jürgens ist schließlich Österreicher. oom

Nicht zu verwechseln mit André Heller, Don McLean, Curd Jürgens, Rolf Eden, und Claude Lévi-Strauss.

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