Werbinich : Vergleichsarbeiten, zweiter Versuch

Susanne Vieth-Entus

Die Schulen kannten vergangene Woche fast nur ein Thema: Die Vergleichsarbeiten der Zehntklässler. Die Wogen schlugen hoch – und das, obwohl die Bildungsverwaltung versucht hatte, Fehler des Vorjahres zu vermeiden. Damals gab es viel Kritik, weil die Aufgaben für die Hauptschüler zu schwer und für die Gymnasiasten zu leicht waren. Und weil etliche Schüler vorab die Lösungen erfahren hatten. Aus diesen Fehlern hat die Verwaltung gelernt: Diesmal gab es für die Schulformen unterschiedlich schwere Aufgaben. Und dieses Jahr gelangten die Aufgaben an die Schulen, ohne dass vorher – anscheinend – etwas durchsickerte.

Der Preis für die höhere Sicherheit war allerdings hoch: Jede Schule musste innerhalb weniger Stunden tausende Aufgabenblätter kopieren. Das brachte Ärger wegen des Arbeits- und Finanzaufwandes. Noch mehr Ärger gibt es jetzt, weil die Lehrer Millionen Schülerdaten und Punktzahlen in Computer eingeben müssen. Einige Schulen wollen beim Bildungssenator deshalb intervenieren.

Aber das ist längst nicht alles. Jede Schule hat noch ihre ganz spezielle Kritik. So waren die Englischlehrer des Paulsen-Gymnasiums „fassungslos“ über den Inhalt der Englisch-CD, mit der das Hörverständnis getestet wurde: Dort ging es um einen Schulleiter, der sich angesichts eines Diebstahls in seiner Schule völlig unangemessen verhält und zudem noch sein Wort bricht. Die Paulsen-Lehrer fanden es empörend, dass ein derart negatives Bild eines Schulleiters gezeichnet wurde. Andere Schulen hatten an der CD nichts auszusetzen und meinten gar, ihr „überzeichneter“ Inhalt habe zur „Entspannung“ in der Prüfung beigetragen.

Was kann man daraus schließen? Es ist schier unmöglich, es allen Schulen recht zu machen. Aber leichter machen kann man es ihnen schon: Die stupide millionenfache Eingabe von Schülerdaten gehört nicht in die Hände gut ausgebildeter Pädagogen.

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