Werbinich : Von Glühbirnen, Puppen und Mäusen

Wie zehn Ganztagsschulen in Kreuzberg und Neukölln Computer in ihren Schulunterricht einbinden

Moritz Honert

Den Unterschied zwischen einem Browser und einer Internetseite hat Nils, sieben Jahre alt, noch nicht so richtig verstanden. Beim Umgang mit der Maus, der Tastatur und dem „explorarium“ macht ihm allerdings niemand etwas vor.

„Explorarium“ ist eine Internet-Plattform für computergestütztes Lernen. Zehn Ganztagsschulen in Kreuzberg und Neukölln arbeiten derzeit damit. So auch Nils und die zweite Klasse der Adolf-Glaßbrenner-Grundschule, die damit der Frage „Wie funktioniert Strom?“ auf der Spur ist. Formal läuft das Projekt im Rahmen des Naturkundeunterrichts, gearbeitet wird allerdings fächerübergreifend: Die Kinder experimentieren mit Batterien und Glühbirnen, der Stromkreislauf wird physikalisch erklärt und dann in der Sporthalle nachgespielt. Schließlich werden Ufos und Puppenstuben gebastelt, die mit Lämpchen zum Leuchten gebracht werden und zu denen sie sich die Kinder dann Geschichten ausdenken sollen.

„Die Vermittlung der Computerkenntnisse geschieht also am Rande“, erklärt Karin Ernst von „Life e.V“. Der Verein, der eigentlich Förderprojekte für Frauen organisiert, ist für das seit gut einem Jahr laufende Experiment verantwortlich. „In erster Linie geht es um die Vermittlung von Lese- und Schreibkompetenz, Teamwork und die Steigerung des Ausdrucksvermögens“, erklärt sie. Dafür sorgen schon allein die regelmäßig zu verfassenden Forschungstagebücher.

Die Notwendigkeit einer Computerschulung für Kinder sieht allerdings nicht nur Karin Ernst. Das Projekt wird halb durch EU-Gelder, halb im Rahmen des „Education Masterplan“ des Senats finanziert, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Computerkompetenz der Schüler zu steigern. Von alleine funktioniert das nicht. „Viele Eltern stellen ihren Kindern zu Hause einen Computer hin und denken, der Rest ergebe sich von selbst“, sagt Ernst. „Die meisten Kinder in der Klasse sechs können nur spielen und chatten. Kompetenzen im Bereich Internetrecherche gibt es so gut wie gar nicht.“ Ein Vorteil der computerunterstützten Arbeitsweise sei in ihren Augen außerdem, dass die Kinder auf diese Weise schneller und besser lernen. Besonders im Bereich Rechtschreibung mache sich das bemerkbar. Ein Beobachtung, die auch Lehrerin Irene Söding gemacht hat. Ihre Schüler vermessen im Rahmen des E-Learning-Projekts die Umgebung der Schule, untersuchen Bäume und die Kanalisation. Die Kinder seien dank der Computer wesentlich motivierter, sagt sie. Der Computerunterricht läuft noch zwei weitere Jahre. Danach soll die Software, die kostenlos zur Verfügung gestellt wird, weiterhin von Schulen genutzt werden. Schon jetzt können Lehrer eigene Projekte entwerfen und untereinander tauschen.

Mehr Informationen im Netz:

www.explorarium.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben