Werbinich : Wählen ab 16? Nicht mit mir

Max Deibert[16 Jahre]

Das ist totaler Bullshit! Wer auch immer auf die Idee mit dem Wahlrecht ab 16 kam, hat entweder keine Kinder oder ist Politiker – ich vermute das Letztere. Wenn jetzt auf einmal alle 16-Jährigen wählen dürften, wären sie in einem Riesenschlamassel: Vati würde sagen, dass Atomkraft gar nicht so schlimm ist und die blöden Ökos alle überreagieren.

Die Freundin würde sagen, von Atomkraft sterben

Robbenbabys, das Internet sagt „Atomkraft ist ein Arschloch“ und die Grünen sagen, dass sie alles besser machen.

Meiner Meinung nach würden die meisten Teenager der Freundin oder den Eltern blind vertrauen, sich bei Facebook ein trendiges Anti-Atomkraft-Botschaftersymbol aufs Profilbild heften und am Ende auch noch denken, es sei ihre eigene Meinung, die sie sich da gebildet haben. Oder sie gehen in die Offensive, verärgern und erschrecken ihre Eltern nachhaltig, indem sie die NPD wählen. Diese verspricht schon bald ihren jungen Wählern, die Atomkraftwerke in anderen Ländern zu zerstören und somit die Welt von allen Atomen zu reinigen.

Vielleicht gehe ich etwas zu engstirnig an die Sache ran. Wählen ab 16 hat sicher auch seine positiven Seiten. Es könnte zu einem rapiden Anstieg der politisch interessierten Jugendlichen führen. Deutschland ist überaltert, und wenn junge Leute wahlberechtigt wären, würde vielleicht ein frischer Wind durch die Politik wehen. Bei Wahlkampfreden würden Sätze formuliert wie: „Ey sorry Leute, hat alles nicht so geil chillig hingehauen, wie ich es mir gedacht hatte …“

Als ich zum ersten Mal vom Wahlrecht für Teenager hörte, dachte ich an die Losung „Frauen und Kinder zuerst“. Wirkt ein bisschen aus der Luft gegriffen, bringt mein Bild der Politik in Deutschland aber auf den Punkt: Wir sitzen alle in einem riesengroßen Boot, das Leck geschlagen ist. Mittendrin sitzen unsere Politiker, und anstatt endlich beim Wasserschöpfen mitzuhelfen, halten sie nach neuen Wählern Ausschau, die ihnen irgendwie noch ihren Posten retten könnten. In diesem Fall die Kinder. Aber nicht mit mir.

Max Deibert, 16 Jahre

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