Werbinich : Wie er wolle geküsset sein

Paul Fleming (1609 – 1640)

Nirgends hin als auf den Mund:

Da sinkt’s in des Herzens Grund;

Nicht zu frei, nicht zu gezwungen,

Nicht mit gar zu fauler Zungen.

* * *

Nicht zuwenig, nicht zuviel:

Beides wird sonst Kinderspiel;

Nicht zu laut und nicht zu leise:

Bei dem Maß ist rechte Weise.

* * *

Nicht zu nahe, nicht zu weit:

Dies macht Kummer, jenes Leid;

Nicht zu trocken, nicht zu feuchte,

Wie Adonis Venus reichte.

* * *

Nicht zu harte, nicht zu weich,

Bald zugleich, bald nicht zugleich,

Nicht zu langsam, nicht zu schnelle,

Nicht ohn Unterscheid der

Stelle.

* * *

Halb gebissen, halb gehaucht,

Halb die Lippen eingetaucht,

Nicht ohn Unterscheid der Zeiten,

Mehr alleine denn bei Leuten.

* * *

Küsse nun ein jedermann,

Wie er weiß, will, soll und kann!

Ich nur und die Liebste wissen,

Wie wir uns recht sollen küssen.

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