Wir müssen REDEN (16) : Familienhilfe. Hilfe, Familie!

Bist du ein Familienmensch? Das fragte Ric Graf vergangenen Freitag. Elena Senft antwortet ihm heute.

192090_0_86a9e6b3
Elena Senft. Schaut gerade krankheitsbedingt Unterschichtenfernsehen und liest Frauenmagazine.Foto: privat

Ich rufe nie Tanten zum Geburtstag an und manchmal gehe ich auch absichtlich nicht ans Handy, wenn meine Mutter anruft.

Im Moment bin ich krank und die erste Person, die es erfahren soll, ist Mama. Sie hört sich meine faden Arzt-Befunde mit Empathie und ungespieltem Mitleid an. Sie sagt, ich solle unbedingt den ganzen Tag lang vom Bett aus Unterschichten-Fernsehen gucken und wenn Mama das erlaubt, dann muss das okay sein. Ich werde heute noch mehrfach die Nummer der Eltern wählen, werde Papa Fachfragen aus medizinischen Nischenbereichen stellen und egal, was er antwortet, ich glaube ihm. Mehr als meinem HNO-Arzt. Im Hintergrund krakeelt meine Nichte. Plötzlich befürchte ich, dass ich Weihnachten immer noch krank sein und das Familienfest verpassen werde. Mama wird ehrgeizig zum Liedersingen mit Klavierbegleitung animieren, Papa wird nörgeln, dass Raclette ein völlig überbewertetes Essen sei, meine eine Schwester wird militant Tofuwürstchen-Stücke nach „Gyros-Art“ wenden und die andere wird ab zwölf übellaunig. Die kleine Nichte reagiert mit Wutanfällen, wenn sie nicht beschäftigt wird. Deswegen tanzen wir den ganzen Abend zu „Backe, backe Kuchen“ und liegen abwechselnd mit Bauklötzen auf dem Boden. Anstrengend!

Aber schlimm, wenn ich das verpassen würde! Und die Tatsache, dass das schlimm wäre, zeigt doch, dass ich ein Familienmensch bin. Nicht immer, aber oft. Ebenso wie der Rest der Familie. Danach reicht es uns allen erst einmal wieder und wir rufen uns erst im neuen Jahr wieder an.

Ric, wie wird dein Jahr 2008?

Nächsten Freitag machen sich unsere beiden Kolumnisten Ric Graf und Elena Senft Gedanken über das neue Jahr in einem „Wir müssen reden“-Spezial.

0 Kommentare

Neuester Kommentar